
Unknown artist
Kaulbachs Gemälde zeichnet sich durch eine pointierte Bilderzählung aus, die sich darauf konzentriert, wie der kleine Bacchus von einer Nymphe vor die Wahl zwischen Trauben und einer Schale mit Wein gestellt wird. Als Bühne für diese Art von „Nymphenpädagogik“ dient eine Landschaft, die das querformatige Bild auf spannungsvolle Weise strukturiert: Die linke Bildhälfte ist im Mittelgrund von dichten Bäumen oder Büschen hinterfangen, die sich im Gegenlicht zu einer weitgehend geschlossenen, grünschwarzen Fläche verbinden. Rechts daneben öffnet sich hingegen der Blick in die Ferne auf Berge und einen leicht geröteten Himmel. Ein Baum an der rechten Bildseite rahmt diesen Blick in klassischer Weise ein. - Kaulbach nutzt diesen Landschaftshintergrund, um seine Figuren auf effektvolle Weise davor in Szene zu setzen. Als Hauptfigur erscheint dabei – von der Mittelachse leicht nach rechts gerückt – eine nahezu frontal dargestellte, sitzende - Nymphe mit nacktem Oberkörper, der sich durch sein helles, mit blaugrauen Farbeinschlägen versehenes Inkarnat leuchtend vom Hintergrund abhebt. Auf Kontrast setzt Kaulbach auch bei ihrem schwarzen Gewand, das die Beine bedeckt. Links neben und hinter der Frau verläuft eine rote, diagonal nach links ansteigende, schwer zu interpretierende Farbbahn, die sich nach hinten verliert. Sie ist über einem dunklen, hochrechteckigen Objekt am linken Bildrand (dem Eingang - in die Höhle, in der Bacchus erzogen worden sein soll?) drapiert. Zwei als Rückenfiguren wiedergegebene, nackte Putti suhlen sich rechts im Schatten neben der Frau. - Die Nymphe hält die Arme seitlich ausgestreckt. In ihrer rechten Hand befindet sich eine Schale mit Wein, während sie in der linken Hand Weintrauben hält. Trauben und Wein gleichsam abwägend, wendet sie sich mit ihrem rothaarigen, - blumenbekränzten Haupt dem Bacchusknaben zu, der als ein mit rotem Hemdchen bekleidetes Kleinkind im Profil dargestellt ist, das mit ausgestreckten Armen von rechts auf die Frau zuläuft. Es hat sich für die Trauben entschieden und ist im - Begriff, nach diesen zu greifen. Unmittelbar rechts folgt Bacchus eine bekleidete Frau. Ihr Kopf ist bekränzt und sie trägt einen Früchtekorb, wodurch sie ikonographisch - in die Nähe von Ceres-Darstellungen rückt. Ihre Schrittstellung (der rechte Fuß wird vom Bildrand angeschnitten, wodurch die Bewegung unterstützt wird) und ihr wehendes Gewand zeigen sie als heraneilende Person. Gleichzeitig beugt sie sich beim Laufen über den Bacchusknaben, wodurch Kaulbach zugleich - ein kompositorisch souverän gesetzter Abschluss des Bildes gelingt. Zu dessen Hauptfiguren gehört noch ein Satyrknabe, der auf der linken Bildseite auf einem weißen Ziegenbock reitet und nach der über seinem Kopf schwebenden, bis zum Rand gefüllten Weinschale greift, aus welcher der Rebensaft bereits in seinen Mund trieft. Dies unterscheidet ihn von Bacchus, der sich vorerst mit ungegorenen Trauben begnügt.
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