Waldlandschaft
Art Collection of the University Göttingen

Waldlandschaft

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Der Stich zeigt eine durch wenige Menschen und Tiere belebte Landschaft, bereichert durch einige Häuser. Im Bildvordergrund sind links und rechts mächtige, dichtbelaubte Bäume zu sehen, während sich in der Mitte der Walde lichtet und der Blick in die Tiefe freigegeben wird. Am linken Bildrand sind zwei Jäger mit Hunden dargestellt. Ein weiterer Hund jagt zwei Kaninchen, die sich nach rechts in das Dickicht flüchten. Ergänzt wird die Vordergrundszenerie durch umgestürzte Bäume und bizarre Baumwurzeln. Der Durchblick auf die Lichtung zeigt eine Bebaute Anhöhe, zu der ein Pfad hinaufführt, auf den zwei Wanderer hinaufsteigen. Der nahgesehene, dunkle Rahmen des Waldes erweckt durch die deutlich Trennung von der hellen, räumlich nach hinten versetzten Lichtung den Eindruck einer schmalen Bühne und wirkt zudem wie eine Barriere, die den Betrachter von der Lichtung trennt. - Die Nahsicht der vorderen, rahmenden Bildbereiche mit monumentalen Bäumen ist ein typisches Merkmal des Bildtyps Waldlandschaft. Die Figuren können als Staffagefiguren bezeichnet werden, da sie dem Wald ihre Größe und Position deutlich untergeordnet sind. In den konsequentesten Waldlandschaftsdarstellungen wird der Blick in der Mitte in ein dichtes Waldinneres eröffnet. Dies ist hier grade nicht der Fall. Solche "lichthaltigen Tiefenzüge", die eine weite Landschaft zeigen, "vom Menschen bebaut, felsig schroff oder fruchtbar", sind "Reminiszenzen der traditionellen Waldlandschaft" Die Weltlandschaft war das typische Darstellungsthema der Landschaftsmaler, seit sich die Landschaft in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts zu einem selbstständigen Genre entwickelt hatte. Spezifische Landschaftstypen wie die der Waldlandschaft entstanden erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Die Waldlandschaft verzichtet auf die Darstellung einer variantenreichen, von einem erhöhten Standpunkt aus gesehenen Landschaft und zeigt stattdessen einen eher kleinen Waldausschnitt in relativer Nahsicht. Lange wurde Gills van Coninxloo die Begründung der niederländischen Landschaft zugeschrieben. Seit bekannt ist, daß bereits Pieter Bruegel d.Ä. sich etliche Jahre zuvor in Zeichnungen mit der Waldthematik auseinandergesetzt hatte, wird ihre Entstehung etwas differenzierter betrachtet. Wahrscheinlich wurde Bruegel durch Bespiele, die er auf seiner Italienreise kennengelernt hatte zu seinen Zeichnungen angeregt und übernahm so eine wichtige Rolle bei der Einführung dieses Gegenstandes in die Niederlande. Neben Pieter Bruegel gab es neben Coninxloo Waldlandschaften im Œuvre weiterer Künstler, niederländischer und italienischer - vor allem venezianischer. Zur Verbreitung dieses Landschaftstypus trug neben der Mobilität der Künstler entscheidend die Druckgraphik bei. - Das Bildthema Waldlandschaft bei Gills van Coninxloo und anderen Frankenthaler Malern ist als Spiegelung der Exilsituation der Künstler interpretiert worden unter dem Motiv den Wald als "Schutz- und Rechtsraum der Exilierten" zu definieren. - Dem steht die tradierte religiöse Bedeutung von Landschaftsdarstellungen entgegen, die die Natur als das Werk Gottes abbildet ohne auf eine spezielle Lebenssituation bezogen zu sein. Die Häufigkeit des Themas Waldlandschaft in der Malerei und Graphik ist auch mit der Beliebtheit dieses Sujets bei den Käufern zu erklären. Der Wald war als Ort der Jagdleidenschaft des Adels und des aristokratischen Zeitvertreibs ein gefragtes Bildmotiv. Diese prestigeträchtige Bedeutung der Waldlandschaften wirkte auch auf bürgerliche Käuferschichten. - Viellicht spielt auch das Interesse an der Natur und die Freude an der Darstellung der nichtkultivierten, unzugänglichen Wildnis für die Beliebtheit der Waldlandschaft eine Rolle.

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