
Unknown artist
Halbfigur mit erhobenem Blick, die Feder in der Rechten, die Linke im Gestus der Verehrung vor die Brust gelegt. In der Rückwand links eine Nische mit Totenkopf als Sinnbild der Vergänglichkeit menschlichen Lebens. - Die von Fiorillo 1805 versuchte nähere Bestimmung des Porträtierten (der Kragen gleicht dem eines Priesters ) wurde von Bruyn 1951, S. 212, aufgegriffen, der mit Bezug auf Schreibgestus und Totenkopf ein portrait historié - Unbekannter Priester als hl. Hieronymus - vermutete (ebenso van de Waal 1964 und Wishnevsky 1967). Andererseits gehören Porträts mit Vanitasthematik nach 1640 zu den Spezialitäten Baillys (N. Popper-Voskuil, Selfportraiture and Vanitas Stillife Painting in 17th-Century Holland in Reference to David Baillys Vanitas Oeuvre, in: Pantheon 31/1973, S. 58 - 74). Das 1635 datierte Göttinger Gemälde könnte demnach ein frühes Beispiel dieses Typs sein. Stechow vermutete, das aus Schloß Gottorf stammende Bild sei dort direkt beim Künstler erworben worden, der für mehrere norddeutsche Fürsten tätig war. Dagegen besagt die Datierung, daß das Gemälde erst nach Baillys Deutschlandreise in Leiden entstand. Fiorillo teilt 1818 (S. 97) folgendes mit: Während der [napoleonischen] Sclaverei, der Unterdrückung und des Raubes, erhielt ich eines Abends nach 8 Uhr von meinem verewigten und unvergeßlichen Freunde Heyne, ein Billet mit folgenden Worten: 'In diesem Augenblicke erhalte ich die Nachricht aus H.[annover?], daß der Denon uns besuchen wird; Freund retten Sie was Sie retten können etc. Ich benutzte die Nachricht und ging, um keinen Verdacht zu erregen, in der Nacht mit zwei Leuten in unsere Gallerie, und ließ nur zwei Stücke, nämlich einen sehr schönen Kopf von D. Bailly, und diese Landschaft [von Govaerts, Kat. 34] nach meinem Hause tragen, weil ich wußte, daß das Pariser Museum von diesen beiden Meistern nichts besaß, und daß sie gewiß für gute Beute erklärt werden würden.' Glücklicherweise sind wir aber mit diesem Besuche verschont geblieben.
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