Aktstudie eines vorgebeugten Knaben
Art Collection of the University Göttingen

Aktstudie eines vorgebeugten Knaben

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Das Blatt zeigt eine Vorzeichnung für den Knaben im Hintergrund - am rechten Bildrand, der mit einem älteren Mädchen die Leiche - eines Mannes wegträgt. Der in hockender Stellung dargestellte Junge - beugt seinen Oberkörper über die Beine des Toten, die er mit - beiden Armen umschlingt. Er nutzt das Knie seines rechten, angewinkelten - Beines als zusätzliche Stütze für die schwere Last. Sein - schräggestellter Kopf blickt zurück auf den Toten. Seine Haltung - erinnert an klassische Vorbilder – etwa an antike Darstellungen des - Dornausziehers oder an den Oberkörper derjenigen Figur in Michelangelos - Opfer Noahs (Rom, Decke der Sixtinischen Kapelle), - welche das Holz für das Brandopfer heranbringt. - In ihrer Skizzenhaftigkeit und in ihrer fragmentarischen Aufnahme - des Modells konzentriert sich die Zeichnung vor allem auf - das Bewegungsmotiv des Anhebens. Der Fuß des rechten Beines - und das linke Bein des Knaben sind weggelassen, die linke Hand - und die Beine des Leichnams lediglich angedeutet. An der Rückenlinie, - am Oberarm und am Knie sind Korrekturen zu erkennen. - Eine Kompositionsskizze zur gesamten Tragegruppe befindet - sich in Privatbesitz (Renger 1996, S. 631, Abb. 13; Krey 2003, S. - 271, Abb. 65), eine weitere Studie zu dem Knaben im Städtischen - Gustav-Lübcke-Museum in Hamm (Wille 1988, S. 59, Abb. 82; - Renger 1996, S. 632, Abb. 14; Krey 2003, S. 272, Abb. 67). Renger - 1996, S. 627, sieht aufgrund der dichter am Körper des Knaben - gehaltenen Beine des Toten eine größere Nähe der Göttinger - Zeichnung zur Gemäldeausführung. Hier ist jedoch das im Gemälde - an dieser Stelle eingefügte Gewandstück einzurechnen, das dem - Bein des Mannes mehr Volumen gab. Da die Zeichnung in Hamm - insgesamt detaillierter ausgeführt ist und auch in den dargestellten - Gesichtszügen der Gemäldefassung näher steht, entstand sie vermutlich - erst im Gefolge des Göttinger Blattes.

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