
Unknown artist
Auf einen weitläufigen, schneebedeckten, von geduckten Häusern umstandenen Dorfplatz sind Soldaten eingefallen, um den Befehl des Herodes zu vollziehen und alle Kinder unter zwei Jahren zu töten (vgl. Matth. 2, 16). Links vorn zu Pferde ihr Anführer, bedrängt von um Gnade bittenden Eltern. - Die Erfindung der in mehr als 20 Fassungen überlieferten Komposition (vgl. G. Marlier, Pierre Bruegel le Jeune. Brüssel 1969, S. 336 ff.), deren Urbild als verloren gelten muß, wurde wechselweise Maerten van Cleve, Pieter Bruegel d. Ä. und Pieter Bruegel d.J. zugeschrieben, die Ausführung der Kopien dagegen überwiegend Pieter Bruegel d. J. (vgl. u.a. R. van Bastelaer/G. Hulin de Loo, Peter Bruegel l'Ancien. Brüssel 1907, S. 379. - Marlier, S. 333 ff. - L. Campbell, The Early Flemish Pictures in the Collection of Her Majesty the Queen. Cambridge 1985, Nr. 10). Der jüngere Bruegel kommt jedoch als Maler des Göttinger Bildes (identisch mit Marlier S. 338, Nr. 14?) nicht in Frage. Der Urheber der Komposition läßt sich entgegen der noch im Wiener Bruegel-Katalog (1997/98, Nr. 100) vertretenen Meinung nicht mit Hilfe einer gleichfalls in der Göttinger Sammlung bewahrten Zeichnung bestimmen, deren Zuschreibung an Maerten van Cleve unstrittig ist (vgl. Renger Nr. 133 und Abb. 152). Bereits Faggin (in: Oud Holland 70/1965, S. 38) sah die Göttinger Zeichnung als Vorstudie des gemalten Prototyps an, der demnach von Maerten van Cleve stamme. Dagegen konnte Renger zeigen, daß es sich bei der Zeichnung um eine von Maerten van Cleve stammende, mit Kopistenmißverständnissen behaftete Wiederholung einer der gemalten Fassungen handelt. Der Befund der Zeichnung läßt Maerten van Cleve als Urheber der gemalten Kompositionen ausscheiden. Auch deren im Wiener Katalog von 1981, S. 119, wegen vermeintlich motivischer Übereinstimmungen erwogene Abhängigkeit von Pieter Bruegels d. Ä. Gemälde in Hampton Court (Kat. 1985, Nr. 9) vermag angesichts der erheblichen Unterschiede im Einzelnen nicht zu überzeugen. Vielmehr dürften die motivischen Entsprechungen durch das gemeinsame Thema Bethlehemkischer Kindermord zu erklären sein. Hingegen trägt die mit dem Göttinger Bild übereinstimmende Fassung in den Koninklijk Musea, Brüssel, die Signatur P. BRVEGHEL 156 (4? oder 6?), die wegen des Datums nicht auf den jüngeren Pieter Bruegel bezogen werden kann (Kat. 1984, S. 43, Nr. 8726; Marlier Abb. 201). Wohl aber unterstützt die Signatur die hier aus stilistischen Gründen (Raumanlage, Figurenstil, Bruegel nahes Kolorit der Göttinger Fassung) erfolgende Zuschreibung des verlorenen Urbildes an Pieter Bruegel d. Ä., woran bereits Renger gedacht hat. Die ebenfalls mit dem Göttinger Bild übereinstimmende Fassung in Stockholm wird im dortigen Katalog (1978, S. 78 f.) Maerten van Cleve zugeschrieben. Die Göttinger Zeichnung kann demnach als durch Maerten van Cleve ausgeführte Zwischenkopie verstanden werden, die ein verlorenes Vorbild Bruegels wiederholt und zugleich ein eigenes Gemälde vorbereitet. Zur Ikonographie sei nachgetragen, daß die Zeichnung die Jahreszeit Winter statt der Schneelandschaft auf den gemalten Fassungen nur durch entlaubte Bäume andeutet (Kat. Göttingen 2000, Nr. 99). Zur Serienproduktion in der Bruegel-Nachfolge vgl. De Firma Brueghel. Samengesteld door Peter van den Brink. Ausstellung Bonnefantenmuseum, Maastricht 2001/02. -
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