Unknown artist
Um 1509/10 entwarf Dürer den Holzschnitt "Die Beweinung" als Teil seiner erstmals 1511 verlegten "Kleinen Passion". Nach der Kreuzabnahme wird der Leichnam Christi abgelegt, um ihn für das Begräbnis vorzubereiten. Umgeben von den Trauernden lässt Joseph von Arimathia den leblosen Körper behutsam auf ein zuvor ausgebreitetes Tuch gleiten. Die Wundmale des Versehrten sind deutlich sichtbar. Während Nikodemus aus dem Hintergrund ein Salbgefäß herbeiträgt, sammeln sich die Wehklagenden vor dem Heiland. Eine Trauernde wirft verzweifelt ihre Arme gen Himmel, Johannes stützt die vor Kummer zusammengesunkene Maria und Maria Magdalena küsst ehrerbietend die Füße des Leichnams. Im Vordergrund weisen die abgelegte Dornenkrone und das Körbchen, das die Kreuzigungsutensilien beinhaltet, auf das Ende des Leidens. Heller erwähnt in seiner Dürer-Monographie des Jahres 1827, dass die "neuen Abdrücke in Ottley's Werk" sind. (Heller Dürer 1827 II.589) Gemeint ist William Young Ottleys 1816 erschienenes Buch "An inquiry into the origin and early history of engraving, upon copper and in wood", von dem der Sammler ein Exemplar besaß (vgl. JH.L.art.q.39-a der Staatsbibliothek Bamberg). Gemeinsam mit anderen erhaltenen Druckformen der "Kleinen Passion" befindet sich der Holzstock heute im British Museum London, das sie 1839 von Rev. P E Boissier übernehmen konnte. Die Überlieferung der Druckform und die rege Rezeption des Holzschnitts ist als Ausdruck künstlerischer Wertschätzung zu verstehen.
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