
Unknown artist
Hinter einer Brüstung, auf der ein aufgeschlagenes Buch liegt, die Halbfiguren dreier singender Mädchen, deren mittlere auf den Betrachter schaut; die linke hält ein (Noten-) Buch. Die Stellung der Sängerinnen zueinander erinnert entfernt an Drei-Grazien-Gruppen. - Stechows Vermutung (unter Einfluß des Frans Floris, doch holländisch) wurde durch Ingrid Jost präzisiert, die auf eine fast identische, die Gruppe jedoch im Querformat und nur bis zu den Schultern gebende Fassung Anthonie van Blocklandts in der Slg. Wetzlar aufmerksam machte (Friedländer 13, Suppl. 423, Tf. 208, und Kat. Coll. Dr. H. Wetzlar, Amsterdam 1952, Nr. 31 m. Abb., jeweils als Floris; Kunst voor de Beeldenstorm, Katalog der Ausstellung Rijksmuseum Amsterdam 1986, Nr. 321, als Blocklandt). Roethlisberger nimmt ebenfalls eine Replik nach Blocklandt an (briefl. 1991). - Jost verwies für die Gruppierung der Köpfe auf Frans Floris als Vorbild (vgl. dessen Parnaß , gestochen von Frans Huys; C. van de Velde, Frans Floris. Brüssel 1975, Nr. 29 und Abb. 194). In ihrer physiognomischen Prägung stehen die Sängerinnen auf beiden Exemplaren jedoch weniger dem Frans Floris als vielmehr dem Parmigianino nahe, auf dessen Bedeutung für Blocklandt bereits van Mander hinwies ( Schilderboek ed. Floerke, II, S. 14). Besonders ähnlich sind die Köpfe auf Blocklandts Amsterdamer Salomo-Urteil (vgl. K. G. Boon, Netherlandish Drawings of the 15th and 16th Centuries in the Rijksmuseum. Den Haag 1978, Nr. 31 m. Abb.) sowie die der nach Blocklandt kopierten Aglauros -Zeichnung in London (vgl. A. E. Popham, Catalogue of Drawings by Dutch and Flemish Artists in the British Museum, Bd. 5. London 1932, S. 172, Tf. 64).
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