
Unknown artist
Links vorn am Tisch - darauf Münzen und eine gesiegelte Urkunde - ein vornehm gekleideter, älterer Mann. Er wendet sich, auf sein krankes Bein deutend, zum Tod, der seinen Fuß auf eine Sanduhr stützt und die Geige spielt. An der Rückwand allerlei Gerät und Bilder. Im gleichfalls ausstaffierten Nebenraum rechts tritt der Tod zu einem jüngeren Herrn. - Das Gemälde gehört in die Bildtradition des Totentanzes und soll den Betrachter mahnend an sein irdisches Ende erinnern. - Die Zuschreibung an Floquet geht auf Zschorn zurück, der sich bei dieser ungewöhnlichen Namensnennung möglicherweise auf eine alte Überlieferung stützen konnte. Er besaß ein zweites Bild Floquets, das in Fiorillos Katalog von 1805, S. 49, Nr. 29, noch erwähnt ist. Das heute verschollene Gemälde ist in Zschorns handschriftlichem Verzeichnis (Nr. 75) wie folgt beschrieben: Das Gastmahl der Königin Esther; Der Meister hat gerade den Zeitpunkt erwählet da sie den Haman beim Ahasvero verklaget, welches ihm Gelegenheit gegeben, den Zorn in dem Gesicht des letzteren und die Angst und den Schrecken im Gesicht des Hamans vortrefflich auszudrücken, auch die Bedienten nehmen teil an der Scene und unterreden sich darüber mit nachdenklichen Mienen. Auf Kupffer von Simon Floquet, so schön wie ein Sebastian Franc, 2'2 breit 1'6 hoch (ca. 48 x 69 cm). Die Komposition mit dem Reichen und dem Tod ist in mehreren dem Frans Francken II zugeschriebenen Fassungen (s. unten) überliefert. Auch das Göttinger Bild wurde durch Härting 1983 unter Vernachlässigung der traditionellen Benennung dem jüngeren Frans Francken gegeben und um 1630/35 datiert (Kat. A 306 d). Hier sei die Zuschreibung Zschorns an einen seinerzeit unbekannten Künstler festgehalten, zumal offen bleibt, ob Frans Francken II tatsächlich den Prototyp dieser Darstellung schuf (Härting 1983, S. 186). Auch der stilistische Befund deckt sich mit dem einzigen über Floquet bekannten Datum (tätig in Antwerpen 1634/35). Simon Floquet war eine bis vor wenigen Jahren nur archivalisch greifbare Persönlichkeit. Neuerdings sind einige mit Simon Floquet signierte Gemälde im Kunsthandel aufgetaucht (etwa Minerva und die Musen , Kupfer, 26.10.1988 auf der Auktion Sotheby's, London; zu weiteren Belegen s. http://www.artnet.de/artist/597909/simon-floquet.html. Eine eingehende stilkritische Prüfung dieser Werke im Verhältnis zum Göttinger Bild war bisher nicht möglich. Härting verzeichnete 1983 insgesamt elf gemalte Varianten der beliebten Komposition (Kat. Nr. A 306, 306 a-e, 308, B 307, 308, C 306, 307). Bereits im Katalog der Göttinger Sammlung von 1987 ließen sich weitere Fassungen anführen: - a) Auktion Aldo Noseda, Mailand, 3.12.1929, Nr. 242 m. Abb. (als P. Steenwyck, Holz, 16 x 13 cm). - b) Kunsthandel F. Meyer, Dresden, Lagerkatalog 52, Nr. 537 (Kupfer, 16 x 13 cm; identisch mit Fassung e ?). - c) Norfolk, Norfolk Museum of Art, Inv. Nr. 57.42.12 (seitenverkehrt; Holz, 28 x 28 cm). - d) Wellcome Institute for the History of Medicine, London (Kupfer, 22,8 x 17,6 cm; vgl. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 26/1963, S. 360, Tf. 42b). - e) Karlsruhe, Privatbesitz (Kupfer, 16 x 13 cm; identisch mit Fassung b?). - f) Auktion Bassenge 45, 1985, Nr. 4228 m. Abb. (Holz, 23,2 x 20,7 cm; als Niederländisch, 17. Jh.). - g) Eine weitere, vergrößerte und verbreiterte Fassung teilte Stechow ohne weitere Angaben als im Besitz des Amtsgerichtsrats Laves in Göttingen mit. Über den Verbleib des Bildes ist nichts bekannt. Die Komposition muß außerordentlich beliebt gewesen sein, denn Ursula Härting konnte 1989 mit ihrer Kat.-Nr. 397 eine weitere Version vorstellen. Hinzu kommen weitere Funde: Eine übereinstimmende Fassung im Diözesanmuseum Freising (Kat. 1984, S. 200) sowie eine unveröffentlichte derbe deutsche Kopie der Figurengruppe. Bei sonstigen Veränderungen ist mittig hinter den Figuren eine fast bildhohe Uhr eingefügt (um 1995 im Kunsthandel Knabenbauer, Würzburg). Ein ohne Inventorangabe verlegtes Schabkunstblatt B. Lens d.J. (1659-1725) wiederholt die Komposition seitenverkehrt und erläutert in einer sechszeiligen Unterschrift den Sinn der Darstellung: Weder Geld noch Jugend schützen vor Krankheit und Tod (vgl. Mensch und Tod. Katalog der Ausstellung im Goethe-Museum Düsseldorf 1978, Nr. 68; von Härting 1983, S. 186, Anm. 438, fälschlich als englische Arbeit des 19. Jahrhunderts genannt). - Zu einer weiteren, seitengleichen Reproduktion durch Pieter Schenck (Schabkunst, 248 x 183 mm) mit der Inschrift Morta ingrata musica vgl. Hollstein Bd. 25, S. 79, Nr. 368 und Kat. Ulm 2001, Nr. 49. -
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