
Unknown artist
Lundens gibt Einblick in eine Baderstube. Vorn wird ein Kranker, begleitet von einer mitfühlenden Frau, an der Schulter operiert. Links daneben ein Gehilfe des Baders beim Verschließen eines Salbtöpfchens. Im Nebengelaß rechts führt ein zweiter Gehilfe eine Rasur aus. Flaschen und Krüge, Behälter für Heilmittel, sind im Raum verteilt, ferner präparierte Fische, ein Totenkopf und eine Violine. Auf dem Krug rechts vorn eine übergroße Fliege als Augentäuschung. - Waldmanns Zuschreibung an Lundens wurde durch Stechow bestätigt, der auf die nahe stilistische Verwandtschaft mit der signierten und 1648 datierten Fassung in der Galleria Borghese aufmerksam machte (vgl. P. della Pergola, Galleria Borghese. I Dipinti, Bd. 2, Rom 1959, Nr. 246). Eine in Haltung und Kleidung identitische Darstellung des Patienten auf einer monogrammierten und 1649 datierten Operationsszene Lundens war 1962 bei Nystad, Den Haag (Holz, 33,7 x 28,4 cm; Foto RKD). Das Göttinger Gemälde, das in Komposition und Motiv an Erfindungen Adriaen Brouwers anschließt (vgl. K. Renger, Adriaen Brouwer und das niederländische Bauerngenre. München 1986, Nr. 6 und 8), gehört möglicherweise zu einer Serie von Fünf-Sinne-Darstellungen und würde in diesem Zusammenhang das Gefühl verbildlichen. Die stillebenhaft angeordneten Attribute - Arzneien, Totenkopf, präparierte Fische und Geige, deren Ton rasch verfliegt - verweisen zudem auf die Vergänglichkeit alles Irdischen. -
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