
Unknown artist
Blick durch einen steinernen Bogen, dessen Brüstung mit einem bacchantischen Relief geziert ist, auf das reichhaltige Regal eines Kramladens. Im Vordergrund wiegt eine junge Frau der links sitzenden Kundin getrocknete Pflaumen ab. Zwischen beiden im Hintergrund ein Knabe. Links neben dem Bogenansatz ein Eierkorb, darunter eine Schale mit Bohnen und ein Sack mit Nüssen; rechts ein herabhängendes Kerzenbündel, darunter ein geöffnetes Säckchen. - Fensterbilder mit Kaufszenen waren ein beliebtes, durch Gerard Dou ausgebildetes Thema der Leidener Schule. So variiert auch das Göttinger Gemälde eine Erfindung Dous (vgl. dessen Krämerladen von 1672 in der Royal Collection, Kat. 1982, Nr. 46). Bilder dieses Typs enthalten oft in alltäglichen Gegenständen erotische Anspielungen und verbildlichen den ,Handel mit Liebe'. Hier symbolisieren Pflaumen, Eier, Nüsse, Mörser, Kerzen und offener Sack die Geschlechtsorgane. In diesen Zusammenhang fügt sich auch das gemalte Relief, das einen von Putten geführten Ziegenbock zeigt, ein altes Libido-Symbol. Eine besondere, gleichfalls durch Dou vorgegebene Nuance erhält die Darstellung durch den Knaben im Hintergrund, dem als Unschuldigem die sexuellen Assoziationen noch fremd sind (vgl. Masters of Seventeemh-Century Dutch Genre Painting. Katalog der Ausstellung Museum of Art, Philadelphia 1984, Nr. 33). Das Relief geht zurück auf ein Werk des Frans Duquesnoy (1597-1643) und begegnet auf Fensterbildern Willem van Mieris häufiger (London, Wallace Collection, Kat. 1968, S. 204, Nr. P 178; Paris, Louvre, Kat. 1979, S. 92, Nr. 1551; Pariser Kunsthandel 1936, HdG Bd. 10, S. 151 f., Nr. 186 und Auktion Senff, New York 1928, HdG Bd. 10, S. 151, Nr. 183, jeweils Foto im RKD). -
Sign in to order prints, canvas, and more of this work. Browsing and full-resolution downloads stay free.