
Unknown artist
Europa, Tochter des Königs von Phönikien, hatte dem Mythos zufolge Zeus in Liebe versetzt, der sich in einen Stier verwandelte und sie auf seinem Rücken übers Meer nach Kreta entführte. Diese Szene ist in den Mittelgrund des Gemäldes verlegt: Rechts Europa auf dem Stier, daneben steht Neptun in seinem Muschelwagen und darüber Hermes im Fluge; links am Ufer die aufgeregten Gefährtinnen der Europa. Im Vordergrund Nereiden und Tritonen in gezierter Umarmung. - Das Gemälde stimmt bei geringen Änderungen, die insbesondere die Landschaft im Hintergrund betreffen, mit einem von Jacques de Gheyn verlegten und mit der Inventorangabe KMandere versehenen Kupferstich Zacharias Dolendos überein, der die Szene im Rundbild zeigt (Hollstein V, S. 263, Nr. 47, und VII, S. 187, Nr. 420). Als mutmaßliche, wenn auch wiederum in Einzelheiten abweichende Stichvorlage nannte Valentiner eine mit van Manders Signatur versehene und 1589 datierte Zeichnung (Slg. Welcker, Amsterdam; Foto RKD L 3860), die ihrerseits von Jacopo Zucchis Allegorie des Wassers (1574/75) im römischen Palazzo di Firenze angeregt sei (vgl. A. Venturi, Storia dell'arte Italiana, Bd. IX, 6. Milano 1933, Abb. 221). Zwar mag van Mander Zucchis Deckenbild während seines römischen Aufenthaltes gesehen haben, doch gehen die Übereinstimmungen zwischen dem römischen Fresko und van Manders Zeichnung nicht über vage Motivanalogien hinaus. Hingegen stehen sowohl die Zeichnung, wie schon H. Noë bemerkte (Carel van Mander in Italië. 's-Gravenhage 1954, S. 190 f.), als auch Dolendos Stich sowie das Göttinger Gemälde dem Figurenstil Bartholomäus Sprangers nahe. Da Stich und Gemälde gleichsinnig sind - anders die entsprechenden Gruppen der Zeichnung - dürfte die mit der Welcker-Zeichnung überlieferte Erfindung van Manders durch Dolendos bereits veränderten Stich an den Maler des Göttinger Bildes vermittelt worden sein. Nach Stechows Ansicht sind die vom Kupferstich abweichenden En-face-Köpfe in der vorderen Figurengruppe vom Maler eingeschaltete Porträts, so daß es sich um ein in den antiken Mythos gekleidetes Doppelbildnis (Hochzeitsbild?) handeln würde. -
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