
Unknown artist
In einem knappen, waldigen Landschaftsausschnitt mit Ausblick in die Tiefe links Maria, auf einem Esel reitend; vor ihr Joseph, der Jesus in einer Tuchschlinge trägt. Das Thema des Bildes geht zurück aus Matthäus 2, 13-23. Es wird dort berichtet, daß die Heilige Familie auf göttliche Anweisung nach Ägypten geflohen sei, um dem von Herodes befohlenen Kindermord (Matthäus 2, 16 -18) zu entgehen. Auf diesen wird durch die erschlagenen Kinder im linken Vordergrund angespielt. Rechts hinter Joseph ein vergitterter Bildstock, in dessen Nische eine Figur in erregter Bewegung. Es wird sich bei ihr um eines jener Götzenbilder handeln, die legendarischen Erzählungen der Kindheit Jesu zufolge vor der Heiligen Familie von ihren Sockeln stürzten. - Von Lange als Frans Francken II bestimmt, von Härting 1983 als Kopie Cornelis de Baellieurs nach Francken erwogen. Die Komposition ist in zwei weiteren Fassungen bekannt. Das Exemplar in der Gemäldegalerie Dresden (Kat. 1930, S. 81, Nr. 943; Härting 1983, Kat. Nr. A 88) zeigt eine gegenüber dem Göttinger Bild rechts und oben um etwa ein Drittel der Darstellung erweiterte Landschaft; es fehlt jedoch der Bildstock. Das Exemplar der Uffizien (Kat. Florenz 1979, S. 272, Nr. P 634; Härting 1983, Nr. B 88) hingegen stimmt im Landschaftsausschnitt und im Motiv des Bildstockes mit dem Göttinger Gemälde überein, jedoch fehlt der Maria die auf dem Dresdener und Göttinger Exemplar identische Kopfbedeckung. Nach Stechow könnte es sich bei dem Göttinger Gemälde um eine abgewandelte eigenhändige Wiederholung des Dresdener Bildes handeln, als dessen Vorläufer Zoege von Manteuffel wiederum das von ihm um 1616/18 datierte Gemälde in den Uffizien ansah (Bilder flämischer Meister in der Galerie der Uffizien, in: Monatshefte für Kunstwissenschaft 14/1921, S. 46). Auch Bodart schrieb das unsignierte Florentiner Gemälde Frans Francken II zu und setzte es an den Beginn der Bildreihe (Rubens e la pittura fiamminga del seicento nelle collezioni pubbliche fiorentine. Kat. der Ausstellung im Palazzo Pitti, Florenz 1977, Nr. 41). Härting dagegen verzeichnet die Dresdener Fassung als Original, die Bilder in Florenz und Göttingen als Kopien (1983, Nr. A 88, B 88 und 88 a; 1989, Nr. 133, 134). Die kompositorischen und motivischen Abweichungen innerhalb der Bildgruppe lassen jedoch erkennen, daß weder die Dresdener noch die Florentiner Fassung als unmittelbares Vorbild des Göttinger Gemäldes gedient haben können. Vielmehr scheint ehemals eine umfangreichere Reihe von leicht veränderten Kopien bzw. Repliken existiert zu haben, was auch durch die Wiedergabe der Komposition in mehreren Galeriebildern belegt wird (vgl. Härting 1983, Nr. A 88; Härting 1989, Nr. 134: S. Speth-Holterhoff, Les peintres flamands de cabinets d'amateurs. Brüssel 1957, Abb. 32, 34, 53). -
Sign in to order prints, canvas, and more of this work. Browsing and full-resolution downloads stay free.