
Unknown artist
Michiel van Musscher sitzt im grauseidenen Hausrock vor einem Bücherregal. Auf dem Tisch eine Bibel und ein als Theologia bezeichnetes Werk; ein weiteres Buch hält er aufgeschlagen in der Hand. - Die Gesichtszüge des Porträtierten sind denen anderer Selbstbildnisse Musschers so nah verwandt, daß auch das Göttinger Gemälde als Selbstporträt anzusehen ist (zur Ikonographie vgl. P.J.J. van Thiel, Andermal Michiel van Musscher: Zijn zelfportretten, in: Bulletin van het Rijksmuseum 22/1974, S. 131ff., vor allem Abb. 10). Gegen diese Identifizierung könnten die auf einen Gelehrten im allgemeinen und einen Theologen im besonderen verweisenden Attribute sprechen. Doch hat Musscher auch sein Selbstbildnis mit Frau und Kindern (Antwerpen, Koninklijk Museum, Kat. 1959, Nr. 739; Thiel Abb. 6) dem seinen Stand nicht gemäßen Typ des höfischen Porträts angeglichen. Zudem war spätestens mit van Dycks "Iconographie" (vor 1636 - 1645) die bildliche Darstellung des gelehrten Künstlers und "Malerfürsten" zu einer verbreiteten Porträtaufgabe geworden (vgl. H.-J. Raupp, Untersuchungen zu Künstlerbildnis und Künstlerdarstellung in den Niederlanden im 17. Jahrhundert. Hildesheim u.a. 1984, passim).
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