Antonius und Kleopatra
Art Collection of the University Göttingen

Antonius und Kleopatra

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Kleopatra sitzt mit dem römischen Feldherrn Antonius an einem reich gedeckten Tisch. Während die ägyptische Königin mit der rechten Hand ein Weinglas umkehrt, greift sie mit der anderen nach einer Perle an der linken Seite ihres Haares. Ein Fuß ruht auf einer Glaskugel. Antonius weicht erstaunt zurück und hebt die linke Hand. Hinter ihm steht ein alter Soldat, der, den Kopf in die Hand gestützt, die Szene beobachtet. Neben Kleopatra erscheinen zwei Diener und tragen weitere Kannen herbei. - Die originale Leinwand endet unmittelbar über den Figuren und dem Durchblick in die Ferne in einem unregelmäßig abgeschnittenen flachen Rundbogen. Der Vorhang darüber ist zum größten Teil auf das Holz gemalt, auf das die Leinwand geklebt wurde. Der niedrige und gerundete Abschluß stellt allerdings nicht den ursprünglichen Zustand des Gemäldes dar. Vermutlich wurde die obere Partie beschädigt oder für eine rundbogige Rahmung zurechtgestutzt und später mit Hilfe der Holztafel auf das gegenwärtige Format ergänzt. Dieser Zustand ist bereits im handschriftlichen Inventar und im ersten gedruckten Verzeichnis der Slg. Zschorn erwähnt. Beschädigung und Ergänzung müssen also vor 1789 erfolgt sein. - Hofstede de Groot nennt als mögliche Provenienz eine Reihe von Auktionen des 18. und 19. Jahrhunderts. Diejenigen nach 1789 hat bereits Stechow im Göttinger Katalog ausgeschlossen, da spätestens zu dieser Zeit das Bild in der Slg. Zschorn war. Die übrigen lauten: Auktion Amsterdam, 16. Mai 1696, Nr. 83 (Hoet/Terwesten, Bd. 1, S. 38, Nr. 83: Antonius en Cleopatra van Jan Steen); Auktion Amsterdam, 17. September 1727, Nr. 21 (Hoet/ Terwesten, Bd. 1, S. 320, Nr. 21: De Maeltyd van Cleopatra, door Jan Steen). Die knappen Beschreibungen erlauben keine sichere Identifizierung des Gemäldes, da Steen mehrere Versionen des Themas gemalt hat. Andererseits kann die Herkunft aus einer der beiden Auktionen nicht ausgeschlossen werden. Das Bild der Auktion Antony Sydervelt, Amsterdam, 23./24. April 1766, Nr. 35, kommt nicht in Betracht, da die vorhandene Beschreibung mit dem vorliegenden Exemplar nicht übereinstimmt (Hoet/Terwesten, Bd. 3, S. 517, Nr. 35). - Die Anekdote vom Perlenopfer der Kleopatra wird von Plimus d.Ä. erzählt {Naturalls Historia, 9. Buch, Kapitel LVII, § 119-121): Kleopatra verhöhnt ihren Liebhaber Antonius wegen seines einfallslosen Prunkes und seiner gleichförmigen Gastmähler mit dem Versprechen, sie werde ihm ein Mahl im Wert von 10 Millionen Sesterzen richten. Nachdem sie dem Antonius am anderen Tag ein gewöhnlich reiches Mahl vorgesetzt hatte, fragte dieser die Königin nach dem besonderen Wert dieser Mahlzeit, die sich nicht von den vorhergehenden unterschieden habe. Darauf entgegnete ihm Kleopatra, der Nachtisch allein werde den von ihr angegebenen Wert erreichen. Sie läßt ein Gefäß mit Essig herbeitragen, nimmt eine ihrer einzigartigen Perlen vom Ohr, wirft sie in den Topf. Nachdem die Perle sich aufgelöst hat, trinkt sie das Gefäß leer und greift nach ihrer zweiten Perle. In diesem Augenblick fällt ihr Lucius Plancus, ein Begleiter des Antonius, in den Arm und erklärt, sie habe ihr Wort gehalten. Auf diese Weise rettet er die zweite Perle der Kleopatra. Als literarische Vorlage für diese Komposition kommt neben einer der zahlreichen Ausgaben des Originaltextes auch eine niederländische Übersetzung in Frage (C. Plini Secundi, Des wijdt-vermaerden Natuur-kondigers vijf Boecken, Amsterdam 1662, S. 556-557). Besonders eng ist jedoch die Übereinstimmung mit Jacob Cats Nacherzählung der Anekdote in seinem Gedichtzyklus Proef-Steen van den Trou-Ringh, (Amsterdam 1637, S. 433). Denn im Unterschied zur Überlieferung des Plinius nimmt Kleopatra dort wie im Gemälde die Perle aus ihrem Haarschmuck und wirft sie in ein Glas statt in einen herbeigeschleppten Topf mit Essig (vgl. Ausst. Braunschweig 1983, Nr. 42, mit weiteren Bemerkungen zur Ikonographie und zum Erzählstil des Bildes). Das Gemälde ist die früheste Version von drei weiteren, undatierten Fassungen des Themas (Kirschenbaum, Nr. 85, 86a/b, 86c, Abb. 60, 87, 102). Die Bilder im Besitz des Dienst Verspreide Rijkscollecties und in der Slg. S. Nystad, Den Haag, unterscheiden sich durch Verwendung eines umfänglicheren Querformates und durch eine stark veränderte, um zahlreiche Figuren vermehrte Komposition vom Göttinger Gemälde. In der zweiten Haarlemer Periode des Malers (1665/70) sind eine Reihe seiner Historien entstanden. So auch das bezeichnete, aber undatierte Bild mit der Hochzeit des Tobias im Herzog Anton Ulrich-Museum zu Braunschweig (Kat. 1983, S. 194, Nr. 313; Kirschenbaum Nr. 25a), das von mehreren Autoren in die unmittelbare Nähe des Göttinger Gemäldes gerückt wird. -

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