Tricktrack-Spieler
Art Collection of the University Göttingen

Tricktrack-Spieler

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Eine Wirtsstube. Um den Tisch, darauf ein Spielbrett, sind fünf Männer und, rechts sitzend, eine Frau versammelt. Während der Gast links hinten seinen leeren Krug hebt und dem als Rückenfigur gegebenen Schankmädchen nachruft, beobachten die anderen den rechts vom Tisch Stehenden, der zum Würfeln ansetzt. Zu seinen Füßen ein Hund, an der rückwärtigen Wand allerlei Gerät. - Fiorillos Zuschreibung an Pieter Horemans wurde durch Stechow verworfen. Er nannte Jan Joseph Horemans d.J. als Maler und folgte damit der guten Tradition von Zschorns Inventar, das noch zu Lebzeiten des jüngeren Jan Joseph angelegt worden war. Hingegen stehen, wie schon Stechow bemerkte, die Göttinger Bilder den gesicherten Werken des jüngeren Horemans fern, dessen Kolorit lichter ist und dessen Komposition und Figurenstil dem Rokoko verpflichtet sind (vgl. J.A.L. de Meyere, Een herontdekt schilderij van J.J. Horemans de Jongere, in: Jaarboek Koninklijk Museum Antwerpen 1974, S. 201 ff.). Umso enger sind die stilistischen Beziehungen zu gesicherten Werken des älteren Horemans (Kassel, Gemäldegalerie, Kat. 1958, S. 75, Nr. 174; Wien, Kunsthistorisches Museum, Kat. 1973, Tf. 104; vgl. ferner die Gemälde in den Uffizien, Kat. Florenz 1979, Nr. P 798 - P 802). Auch begegnet der Mann mit hoher Mütze auf einem J. Horemans signierten und 1733 datierten Gemälde (unbekannter Besitz, Foto RKD), für das aus biographischen Gründen nur der ältere Horemans in Frage kommt, dem hier auch die Göttinger Bilder zugeschrieben werden. Das geteilte Spielbrett ist als Tricktrack-Brett zu erkennen. Tricktrack versinnbildlichte in der niederländischen Kunst und Literatur die Wechselfälle des menschlichen Lebens. In moralisierenden Auslegungen galt dieses Spiel als Ausdruck des Müßiggangs, aus dem andere Laster wie Trunksucht, Jähzorn und Wollust hervorwachsen (vgl. Tot lering en vermaak. Katalog der Ausstellung Rijksmuseum Amsterdam 1976, Nr. 22). Es muß jedoch offen bleiben, ob dieser Hintersinn von Horemans noch beabsichtigt war. -

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