
Unknown artist
Hüftstück in Frontalansicht vor einer Brüstung. Der realistischen Schilderung von Kleidung und Physiognomie widerspricht die stilisiert schmale Taille. - Der von Stechow als spätere Zutat erkannten Inschrift zufolge ein 1541 entstandenes Bildnis der Mary Tudor im Alter von 26 Jahren. Stechow sah gewisse Ähnlichkeiten mit A. Mors Bildnis der Mary Tudor im Prado (vgl. M.J. Friedländer, Early Netherlandish Painting, Bd. 13. Leiden/Brüssel 1975, Abb. 352). Dagegen wurde die seit Zschorn gültige Identifizierung durch die National Portrait Gallery, London, ausgeschlossen (Kerslake, briefl. 1977). Deutliche Porträtähnlichkeit besteht vielmehr mit einem gezeichneten Frauenbildnis im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, das Pieter Pourbus zugeschrieben und in das 3. Viertel des 16. Jahrhunderts datiert ist (vgl. G. Bergsträsser, Niederländische Zeichnungen, 16. Jahrhundert. Darmstadt 1979, Nr. 78). Aus stilistischen Gründen wiesen Arndt (mündl.) und Huvenne (briefl. 1979) das seit Stechow als niederrheinisch geltende Göttinger Bild dem Pieter Pourbus bzw. dessen nächster Umgebung zu, wobei Huvenne auf die besondere Nähe zu dem 1558 datierten Porträt der Lavina van der Beke im Osterrieth-Huis, Antwerpen, aufmerksam machte (vgl. den Katalog der Ausstellung Pieter Pourbus, Memling-Museum Brügge 1984, Nr. 19). Auch das von Kerslake um 1560 datierte Kostüm läßt eine deutlich frühere Entstehung des Göttinger Bildes annehmen, als Stechow (um 1570) sie vorgeschlagen hat. Die Auflösung des später zugefügten Monogramms HB als Holbein (Zschorn, Stechow), Hans Brosamer (Pauli), John Bettes oder Horenbault (Notizen Lucy von Weihers) sind spekulativ und für die Attribution belanglos. -
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