Merkur mir dem Kopf des Argus 
Aus: Landschaften mit biblischen und mythologischen Szenen
Art Collection of the University Göttingen

Merkur mir dem Kopf des Argus Aus: Landschaften mit biblischen und mythologischen Szenen

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Merkur blickt auf seine blutige Tat. Er hält den Kopf des enthaupteten Argus in der einen, das Schwert in der anderen Hand. Der Götterbote ist bereit, sich in die Lüfte zu schwingen. Juno fährt mit ihrem von Pfauen gezogenen Wagen durch die Wolken und bemerkt, dass ihr Plan durchkreuzt wurde. Jupiter, ihr Mann und Göttervater hat sich wieder verliebt und will seine Gattin mit der schönen Nymphe Io betrügen, die allerdings nicht an ihm interessiert ist. Juno bemerkt den geplanten Seitensprung und stellt Jupiter eine Falle. Er will Io durch die Verwandlung in eine Kuh vor Juno verbergen, die Göttin aber läßt sich das Rind von ihm schenken und gibt es Argus, dessen Haupt mit hundert Augen übersät ist, zur Bewachung. Um seine Geliebte zu retten, schickt Jupiter den Götterboten. Merkur schläfert den Bewacher durch Erzählungen und Musik ein und enthauptet den Hundertäugigen. Daraufhin schmückt Juno mit den Argusaugen die Federn ihrer Pfauen. Die Episode im ersten Buch der „Metamorphosen“ Ovids nimmt ein gutes Ende für die Nymphe, sie wird nach der Versöhnung des Götterpaares wieder zurückverwandelt. - Diese ausführlich wiedergegebene Geschichte nimmt in der Darstellung nur geringen Raum ein. Durch die Unterschrift am linken unteren Bildrand wird der Betrachter auf die mythologische Geschichte verwiesen. Merkur hat bereits den Plan ausgeführt, Juno die Pfauen geschmückt. Die Protagonisten gruppieren sich auf der rechten Hälfte am unteren und oberen Bildrand. Berge, Städte und ländliche Szenen nehmen den größten Teil des Bildraumes ein. Man sieht eine Mühle, Viehherden, Wanderer, und sogar ein Kruzifix säumt den Weg. Dem Künstler scheint es bei dieser Darstellung, geht man von der gestalteten Fläche und der Verwendung christlicher Symbole aus, nicht nur um die Mythologie gegangen zu sein. Sie verschwindet in der Landschaft und wird nur beiläufig ins Bild gesetzt. Die Landschaft hingegen gewinnt in diesem Blatt gegenüber der Figurenstaffage einen hohen Selbstwert. - Die Zeichnung einer ähnlichen Landschaft ist erhalten geblieben. Im rechten Bildvordergrund wird dort eine „Flucht nach Ägypten“ wiedergegeben (vgl. Kat.Nr.* Elsheimer). Hier bekommt das Wegkreuz eine andere Bedeutung, es weist auf den Kreuzestod Christi hin. Diese Zeichnung wird Mathys Cock (15??-1548), dem Bruder des Radierers und Verlegers Hieronymus Cock zugeschrieben. - Das Blatt ist Teil der von H. Cock 1558 herausgegebenen Serie „Landschaften mit biblischen und mythologischen Szenen“ (vgl. Kat.* Cock „Tobias“). Sie folgt zeitlich wenige Jahre nach den „Großen Landschaften“ Pieter Bruegel d.Ä. (vgl. Kat.* Bruegel „Landschaft“), die ebenfalls bei Cock ab 1555 verlegt wurden. Die „Metamorphosen“ gehören zu den am häufigsten illustrierten Werken der Literatur. Neben den Buchillustrationen sind häufig auch einzelne Episoden zu Serien zusammengefaßt, und wie hier geschehen, sogar vermischt mit biblischen. -

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