Drei Schiffe im Sturm 
Aus der Serie "Kriegschiffe"
Art Collection of the University Göttingen

Drei Schiffe im Sturm Aus der Serie "Kriegschiffe"

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Der Kupferstich stammt aus einer Serie von elf Schiffsdarstellungen und zeigt eine Flotte von drei nach rechts segelnden Schiffen auf bewegtem Wasser: Im Vordergrund zwei beinahe parallel ausgerichtete Viermaster, gefolgt von einem dritten links hinten. Alle drei führen vom Wind geblähte Segel. Das die rechte Bildhälfte ausfüllende Schiff ist voll besegelt: jeweils ein Marssegel und Bramsegel an Fock- und Großmast, ein Rahsegel am Bugspriet und je ein Segel am Besan- und Lateinbesanmast. Bei den beiden Schiffen auf der linken Bildhälfte fehlen die Sprietsegel und teilweise die Bramsegel. Da der Schiffskörper gedrungen und das Oberdeck in einer Art Balkon, Galion genannt, über das Heck hinausläuft, lassen sich alle drei eindeutig als Galeonen identifizieren. An den Masten klettern trotz des starken Seegangs und der stürmischen Windverhältnisse Matrosen. - In der rechten unteren Bildecke sind drei Meereswesen dargestellt: Ihre Nasen erinnern an die von Schweinen, und die Augen sind direkt auf den Betrachter gerichtet. Der literarischen Erzählung zufolge handelt es sich dabei um Delphine. Auf dem mittleren kniet eine Figur mit Harfe, Arion. Dieser wird der griechischen Sage nach auf einer Seefahrt von Seeräubern bedroht und springt ins Meer. Sein Gesang und Zitherspiel lockt Delphine heran, die Arion auf den Rücken nehmen und an Land tragen. Erstmals taucht diese Erzählung bei Herodot auf, später u.a. bei Plutarch und Ovid. Wie im 16. Jahrhundert üblich, ist der eigentlichen Darstellung, hier einem Marinebild, ein literarisch-historisches Thema beigefügt. - Im 16. Jahrhundert wurde im Mittelmeergebiet die gedrungene Galeone mit großem Tiefgang und hoher Ladefähigkeit entwickelt. Bei diesem Schiffstyp handelt es sich um Last- und Kriegsschiffe. Mit dem Vorgängerbau, dem spanischen Nao, hatte Columbus 1492 seine Reise in die Neue Welt angetreten. Da die Segelfläche bei diesen Schiffen auf mehrere kleine Segel aufgeteilt war, sparte man Mannschaft: Die einzelnen Arbeitsschritte des Segelsetztens konnten hierdurch von den selben Leuten vorgenommen werden. Als ein Charakteristikum der Galeonen erscheinen stets die enormen Aufbauten. Der starke Passagier- und Handelsverkehr erforderte große Räume, wodurch allerdings der erhebliche Tiefgang der Schiffe bewirkte, daß sie in Küstennähe auf Grund liefen. Daher wurden in der Zeit zwischen 1450 und 1650 in den Niederlanden andere Schiffstypen entwickelt, die mit geringem Tiefgang die Untiefen der Küstenregion passieren konnten. Die großen, kampffähigen Galeonen wurden insbesondere für den Verkehr entlang der Atlantikküste, aber auch für Fahrten in die Mittelmeerregion wegen der Seeräubergefahren eingesetzt. Zum Schutz gegen die Seeräuberei organisierte man zudem Flottenfahrten. Das langsamste Schiff gab dabei das Marschtempo an. Je besser ein Kauffahrer gegen Kaperfahrten geschützt war, desto eher wurde ihm wertvollstes Stückgut anvertraut und desto höhere Erlöse konnte er erzielen. - Ob neben der realistischen Darstellung der Schiffe zudem eine moralisierende Lebensweisheit angenommen werden darf, bleibt eine Vermutung. In Emblembüchern des 17. Jahrhunderts taucht das Schiff im Sturm mehrfach zur Darstellung moralischer Standfestigkeit, wie Nächstenliebe, aber auch als Hinweis auf politische Verhältnisse auf. Auffällig ist, daß den Kriegsschiffen das emblematische Motiv des geretteten Arion entgegengestellt wird. -

🔒
Order museum-quality prints

Sign in to order prints, canvas, and more of this work. Browsing and full-resolution downloads stay free.