
Unknown artist
Der Prophet Jona ist auf diesem Blatt rechts unten als alter bärtiger Mann dargestellt. Betend sitzt er im Schutz einer Kürbisstaude, den Blick gen Himmel erhoben. Die biblische Szene wird von einer Brückenkonstruktion überfangen, die mittels ihrer monumentalen Größe und starken Hell- Dunkel Kontraste prominent ins Bild gesetzt ist. Hinter einem breiten Fluss mit reißender Strömung, über den sich eine zweite Brücke spannt, liegt eine Stadt in bergiger Landschaft. - Über Jona wird im gleichnamigen Buch des Alten Testaments berichtet: Er floh vor Gott, der ihm befohlen hatte, gegen den Unglaube in der Stadt Ninive zu predigen. Auf Grund seines Ungehorsams geriet das Schiff, auf dem er Zuflucht gesucht hatte, in Seenot. Aus Reue und um die Schiffsleute zu retten, ließ sich Jona über Bord werfen. Ein großer Fisch verschlang ihn, und nachdem er drei Tage und Nächte in dessen Inneren verbracht und gebetet hatte, spie ihn der Fisch wieder an Land. Gott berief Jona erneut nach Ninive, dessen Bewohner von Gott verschont wurden, weil sie nach Jonas Predigt Buße taten und bekehrt waren. Da Jona wegen des ausgebliebenen Strafgerichts mit Gott haderte, ließ dieser eine Staude wachsen und wieder vergehen, um ihn die göttliche Gnaden am eigenen Leib begreiflich zu machen. Als sich Jona über das Verwelken der Staude beklagte, gab Gott ihn zu bedenken, wie viel mehr ihn, der sie geschaffen hatte, der Verlust einer Stadt mit Menschen und Tieren schmerzen müßte, als Jona um das Vergehen der Staude, um die er sich nicht gemüht habe (Jona 4, 10 und 11). - Wie auch die Bildunterschrift (Natura et clementia ... cartura proximorum demonstratur) erläutert, dient Jonas Beispiel zur Veranschaulichung göttlicher Schöpferkraft und Milde allen Kreaturen gegenüber, so dass diese und andere Darstellungen biblischer Inhalte eine allgemein gültige moralisierende Botschaft erhielten. - Die Geschehnisse um Jona gehörten zu den häufig dargestellten Geschichten biblischen Inhalts. Während die Episode mit der Kürbisstaude seit dem Mittelalter seltener gewählt wurde, waren der Meerwurf sowie das Verschlingen und Ausspeien durch den Fisch als Präfiguration der Grablege sowie Auferstehung Christi bevorzugte Motive. - Galle diente ein 1561 entstandenes Bild Heemskercks als Vorlage, das durch den Druck spiegelverkehrt erscheint. 1566 veröffentlichte er eine Reihe von Stichen, die sich ausschließlich mit dem Buch Jona befasste und die häufig kopiert wurde. Im 17. Jahrhundert wandte sich das Künstlerinteresse der Episode mit Jona unter der Kürbisstaude wieder vermehrt zu. Der im Gebet mit Gott hadernde Prophet wird sogar oft als einzige Szene aus der Jona- Geschichte dargestellt. - .
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