
Unknown artist
Collaert stellt in einer Frühjahrsszene den April dar, der Stich ist das vierte Blatt aus einer Serie von 12 Blättern (Hol. 523-534), die das ganze Jahr mit den dazugehörigen Sternzeichen umfasst. Auf dem Rundbild ist in der linken Hälfte des Vordergrundes ein Burg- oder Schlossgarten zu sehen, der aus Beeten besteht, die in symmetrischer Form angelegt sind. Rechts davon schließt sich die Burg an, welche nur im Ausschnitt abgebildet ist. Sämtliche Linien, die in die Tiefe führen, konvergieren und laufen auf einen Fluchtpunkt zu. Diesen bildet der Kirchturm im Hintergrund. Eine Hecke und eine Mauer, die um die Burg läuft, bilden oberhalb der Bildmitte eine Horizontale. Dahinter liegt ein Feld, welches Bauern bearbeiten. Rechts davon liegt ein von Bäumen umsäumtes Gehöft. An das Feld schließt sich die Kirche, die von einigen Häusern umgeben ist, an. Auf der Mittelachse des Gartens wächst sein höchster, schmaler Baum, der eine Parallele zum Kirchturm bildet und diesen zu überragen scheint. Acht Gärtner sind mit Harken, Säen und Pflanzen beschäftigt, während ein herrschaftliches Paar in höfischer Kleidung, durch den Garten schreitet und in einer Unterhaltung zu sein scheint. - In den Niederlanden erhielt der höfische Garten ab den 1550er Jahren eine neue Bedeutung. - Vor allem der Adel begann nach Wissen zu streben und sich für Exotisches zu interessieren. Reisen bis nach Italien, Nordafrika und Asien waren keine Seltenheit mehr. - Im Zuge dessen führte der Adel fremde Früchte wie Granatäpfel, Zitronen, Orangen und Pomeranzen ein und sammelte diese. Auch der Obstanbau wurde durch die Adeligen gefördert und vielerorts ließen sie Mustergärten anlegen. Man begann die Gärten nach ästhetischen Gesichtspunkten zu gestalten, die Wege, vorher nur Beetzwischenräume, luden zum Flanieren ein. Bäume dienten oft als Mittelpunkt des Gartens oder waren, wie in Collaerts Darstellung auf eine Hauptachse gepflanzt. Ebenso üblich waren Hecken oder Mauern, oft in Funktion eines Laubengangs als Abgrenzung des höfischen Gartens vom Umland. - Die Landschaftsdarstellung als eigenständiges Sujet legitimierte sich zu dieser Zeit, der religiöse Aspekt trat immer mehr in den Hintergrund und doch wurde er noch nicht ganz ausgespart, hier wird beispielsweise durch die Komposition auf die Kirche hingewiesen, was aber einen weiteren Grund hatte. Seit dem späten Mittelalter finden wir besonders in Stundenbüchern Kalenderdarstellungen, oft in Form von Monatsbildern, die häufig höfische, wie alltägliche Szenen in Verbindung mit Tierkreiskreiszeichen oder Heiligen darstellen. Später setzten sie sich auch auf einzelnen Blättern durch. Im Idealfall handelte es sich um Folgen, die aus 12 Blättern bestehen. Bereits vor dem Mittelalter gab es eine Tradition dieser Darstellung, allerdings wurden meist mythologische Themen verwandt. Uneinigkeit bestand darüber, ob das Tierkreiszeichen, welches im jeweiligen Monat beginnt, oder das welches in den Monat hineinläuft, verwendet werden sollte. Collaert verwendet in diesem Blatt die zweite Möglichkeit. Der Kalender hatte für die Volkskultur, Bräuche und Aberglauben eine große Bedeutung. Durch die Darstellung in Verbindung mit Heiligen bot er eine Hilfe zur Orientierung im Kirchenjahr, durch die mit Tierkreiszeichen wird das Interesse an der Wissenschaft und Astronomie offenkundig. - Auf niederländischen Kupferstichen, Gemälden und Holzschnitten hielten viele, wie Bol, nach dem dieses Blatt vermutlich gestochen wurde, die Entwicklung der Gartenkunst fest. Die Verbindung dieser und der Darstellung höfischen Lebens, sowie einen Hinweis auf den Kalender durch die Überschrift mit dem Tierkreiszeichen wird in diesem Blatt erlangt und wurde eine typische Darstellungsform von Monatsblättern im 16. Jahrhundert. -
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