Die Narrenrasur (Fastnachtsfest)
Art Collection of the University Göttingen

Die Narrenrasur (Fastnachtsfest)

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Zehn Figuren sind in einem Raum versammelt. In der Mitte sitzt eine alte Frau, die in einem offenen Kamin Waffeln backt. Vier Personen schauen ihr zu. Am rechten Bildrand sitzt ein Mann, den Kopf über eine Wasserschale gebeugt; der neben ihm Stehende umfasst mit der linken sein Kinn und hält in der Rechten eine Schöpfkelle. Links hinter dieser Gruppe musizieren zwei Frauen mit Bratrost und Feuerzange sowie einem Blasebalg. Zur weiteren musikalischen Unterhaltung der Festgemeinschaft spielt ein Mann durch das Fenster das *Platerspiel, ein anderer links die Laute. Den Kaminsturz ziert ein sich wellender Druck mit einer als Pilger verkleideten Eule und der fiktiven Signatur „Hiero. Bos. Inuentor“. - Pieter van der Heydens Kupferstich ist als „Prototyp der niederländischen Fastnachtsdarstellungen“ gewürdigt worden. Wesentliche und auch in den französischen sowie niederländischen Bildunterschriften hervorgehobenen Elemente sind das Musizieren auch auf untauglichen Instrumenten (Bratrost und Feuerzange), Waffeln als typische Fastnachtsspeise, vor allem aber die hier mit einer Schöpfkelle erfolgende Narrenrasur rechts. Bei der mit stumpfen Instrumenten vorgenommenen Narrenrasur handelt es sich sowohl um einen realen, in den südlichen Niederlanden öffentlich vollzogenen Fastnachtsbrauch als auch um eine sprichwörtlich gewordene Metapher für törichtes Verhalten. Selbst das in ein Narrenkostüm gesteckte und Männchen machende Hündchen ist in das Fastnachtstreiben eingebunden. - Während das auf den ersten Blick befremdliche Treiben sich leicht aus der folkloristischen Tradition erklärt, gibt die scheinbar eindeutige Erfinderangabe „Hiero. Bos“ – Hieronymus Bosch – Rätsel auf. Baldass vermutet in der der im British Museum bewahrten Zeichnung mit der isolierten Barbierszene eine getreue Kopie nach Bosch und schweigt über den Rest. Auch Popham führt die Barbierszene auf Bosch zurück und schreibt die Erfindung der linken Hälfte der Werkstatt des Hieronymus Cock zu. Benesch hält das Ganze für eine Nachahmung Boschs im Stil des Jan Mandyn oder Pieter Huys um 1550. Vandenbroeck wiederum nennt Bosch als den Erfinder des * Jahre nach dessen Tod herausgegebenen Kupferstichs. - Das Kaminbild scheint diese Auffassung zu bestätigen. Es trägt die Signatur „Hiero. Bos. Inventor.“. Die als Pilger verkleidete Eule symbolisiert traditionell Täuschung und Betrug , und so mag das Bild im Bilde als Hinweis verstanden werden, dass auch die Angabe des Erfinders Boschs eine Täuschung darstellt. Denn mit dem 1516 verstorbenen und weiterhin berühmten Hieronymus Bosch hat diese eher von Pieter Bruegel beeinflusste Komposition nichts zu tun. *Große Fische -

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