
Unknown artist
Mehrere Männer und Frauen sitzen um einen gedeckten Tisch. Die Blicke sind auf das „ungleiche Paar“ am linken Bildrand gerichtet. Ein alter Mann wird von einer deutlich jüngeren Frau umarmt und bemerkt dabei nicht, daß sie ihm den Geldbeutel stiehlt. Die Tischgesellschaft weiß um den Betrug und verhöhnt den Alten mit Gesten und Grimassen. Gemüse und Früchte sind auf dem Tisch verteilt und verweisen auf männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Im Hintergrund sind drei halbverschattete Tänzerinnen zu sehen. Die gesamte Szene wird von Vorhängen an beiden Seiten und einer Schriftzeile mit Ornamenten gerahmt. Die Bildunterschrift gibt dem Blatt seinen Namen und enthält die Deutung der Szene. Auf ihr steht sinngemäß: „So besingt die spanische Liebe die Süße beim Lieben, so raubt der dumme Liebhaber falsche Küsse“. Dieser Spruch bezieht sich eindeutig auf die beiden vorne links. - Das „ungleiche Paar“ ist ein in der deutschen und niederländischen Kunst häufig anzutreffendes Sujet. Zwei Kupferstiche von Israel van Meckenem zeigen die beiden Spielarten des Themas, ein Jüngling und eine Alte und ein Mädchen und ein Greis. Ebenso wie bei Vermeyen sind die Umarmung und das Geld bei der Bildgestaltung von entscheidender Bedeutung. Mit diesen Darstellungen sollte die Torheit der ungleichen Liebe angeprangert werden. - Neben dem moralischen Inhalt hatte das Blatt durch seine Unterschrift eine politische Note. - Vermeyen verwendet dabei vermutlich das Klischee, die spanischen Besatzer hätten einen ausschweifenden Lebenswandel. Kaiser Karl V., der auch König von Spanien war, besetzte mit seinen spanischen Truppen die niederländischen Provinzen. Das Heer sollte gegen die einheimischen Protestanten vorgehen. Während dieser Zeit mögen diese Vorurteile entstanden sein. - Ab 1525 erhielt Vermeyen einige Aufträge vom Hofe der Statthalterin Margarete von Österreich in Mecheln. Nach deren Tod 1530 konnte er für ihre Nachfolgerin Maria von Ungarn und seit 1534 für Karl V. selbst arbeiten. Seine Reisen führten ihn zu den Höfen der Habsburger in Europa sowie auf den Tunis-Feldzug des Kaisers 1535/36. Er entwarf die Kartons für 12 Wandteppiche, die den Feldzug zum Thema haben. Diese Reisen beeinflußten motivisch sein Werk. Eine Tänzerin aus dem Hintergrund des Blattes taucht im Elften der zwölfteiligen Wandteppich-Folge in einer Karawane wieder auf. Die Kleidung und das Aussehen einiger Figuren des Stiches könnten auf diese Reisen zurückgehen, die dem Bild einen exotischen und damit spanischen Charakter geben.
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