
Unknown artist
Die Geschichte von Tobias und dem Engel Rafael wird im Alten Testament erzählt. Tobias muß in die Fremde gehen, um für seinen Vater Schulden einzutreiben. Auf dem Weg trifft er den Engel, der mit ihm die Wanderung unternimmt. Durch diese göttliche Hilfe erreicht Tobias sein Ziel. Im Gottvertrauen wird ihm ein Begleiter beigegeben, der ihn führt und leitet. - Hieronymus Cock hat die Szene des Zusammentreffens und der Wanderung Tobias mit dem Engel in eine Tallandschaft versetzt. Die beiden Protagonisten befinden sich im Bildvordergrund und erscheinen erneut im Mittelgrund auf dem Weg zu einem großen Haus, dass Teil einer kleineren Siedlung ist. Über diesem Dorf thront eine mit Türmen bewehrte Burg auf einem von großen Höhlen durchdrungenen Felsmassiv. Am rechten Bildrand fließt ein breiter Strom. Dieser wird von Booten befahren, eine Stadt mit einer breiten Brücke erscheint am Horizont. Ländliches Treiben erfüllt die Szenerie: ein Pferdegespann bahnt sich seinen Weg, zwei Angler holen einen besonders großen Fisch aus dem Wasser und am gegenüberliegenden Ufer wird an einem Boot gearbeitet. Sofern der Hinweis auf die biblische Szene am unteren Rand nicht gegeben wäre, könnte man die beiden Wanderer ohne weiteres als bloße Staffage hinnehmen. - Hieronymus Cock gab 1558 die Serie „Landschaften mit biblischen und mythologischen Szenen“ heraus (vgl. Kat.Nr* Cock „Merkur“). Er selbst radierte sie zum Teil nach seinen eigenen und nach den Vorlagen seines Bruders Mathys Cock, von dem er auch den Zeichenstil übernahm. - H. Cock avancierte im Antwerpen der 50er Jahre des 16. Jahrhunderts mit seinem Verlag „Aux Quatre Vents“ zum einflußreichsten Herausgeber von Druckgraphik. Von ihm selbst sind nur 62 eigenhändig radierte Blätter erhalten. Neben den „Ansichten von Römischen Ruinen“ (vgl. KatNr* Cock „Ruinen Palatin“) ist die „Landschaften“-Serie ein wichtiger Beitrag zur Landschaftsdarstellung in der Druckgraphik. Gleichsam ist es das letzte Mal, dass Cock als Radierer in Erscheinung tritt. Er folgt im Verhältnis zwischen titelgebendem Figurenensemble und umgebendem Raum den nur wenige Jahre zuvor von ihm selbst herausgegebenen „Großen Landschaften“ des Pieter Bruegel d.Ä. In der Entwicklung der Landschaftsdarstellung sind beide Serien auf dem Weg zur reinen Landschaft, ohne Staffagefiguren, weit vorangeschritten. Allerdings muß beachtet werden, dass Künstler die Figuren nicht nur als Legitimationsgrund in die Darstellung gesetzt haben, als ob sie sich noch nicht an eine eigenständige Landschaft herangewagt hätten. Immer werden auch bewußt Inhalte eingearbeitet, die der gebildete Zeitgenosse erkannte. -
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