Triumph des Sieges
Art Collection of the University Göttingen

Triumph des Sieges

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Nahezu in der Bildachse steht Victoria mit geballten Fäusten, von denen das Blut der Feinde tropft. Die Bildfläche ist mit Erschlagenen links und Gefangenen rechts dicht gefüllt. Sie lagern auf erbeuteten Waffen, darunter zwei Krummsäbel. Weitere Waffen, aber auch Ruder und andere Schiffsteile füllen den Hintergrund aus. - Das Vorbild dieser Radierung – der einzigen von Floris signierten – gehört zur Gattung der Triumphzüge. Wie Kat. 49 überliefert diese Victoria ein Detail einer realen und ihrem Wesen nach vergänglichen Festarchitektur. 1549 zog Kaiser Karl V. gemeinsam mit seinem Sohn, dem nachmaligen spanischen König Philipp II., in einem feierlichen Einzug in das zu seinem Herrschaftsgebiet gehörende Antwerpen ein, um den Thronfolger zu präsentieren. Wie bei derartigen Anlässen üblich, waren die Straßen mit festlichen Scheinbauten geschmückt, das heißt mit über Holzgerüste gespannten Malereien, die Architektur vortäuschten. Die in Antwerpen ansässigen Genueser Kaufleute beauftragten zu dieser Gelegenheit Frans Floris mit der Ausführung eines Triumphbogens. Dies war der erste namhafte Auftrag, den der nicht mehr ganz junge Maler erhielt und der seine künstlerische Karriere begründete. Die Victoria bildete den Schmuck des Hauptfeldes in der Architravzone. - In den Niederlanden, deren Landesherren in der Ferne residierten, in Wien und später Madrid, dienten die Blijde Intrede oder Pompa Introitus genannten festlichen Einzüge den Fürsten und den Städten zur wechselseitigen Versicherung von Recht und Treue. Die zu diesem Zweck errichteten ephemeren Bauten haben ihre Anlässe nur kurze Zeit überlebt. Beschreibungen, Illustrationen, Einzelbätter wie dieses, gelegentlich auch überlieferte Reste der Dekoration geben einen Eindruck vom vergangenen Prunk. Der Triumphbogen der Genueser Kaufleute hatte die beachtlichen Maße von 28 m Höhe, 20 m Breite und 8,50 m Tiefe. 26 Bilder schmückten ihn, Victoria als Größtes maß circa 3 x 6,70 m. - Floris Allegorie dient nicht der Verherrlichung des Sieges schlechthin, sondern der Sieges über die Türken, deren Vordringen nach Westen nicht aufzuhalten war. Erst mit der Seeschlacht von Lepanto 1571 konnte den osmanischen Kriegern eine schwere Niederlage zugefügt werden. Die Allegorie des Sieges bezieht sich also nicht auf ein in der Vergangenheit liegendes Ereignis, sondern verherrlicht im Sinne einer propagandistischen Vision die Macht Philipps II., des künftigen Königs – „des Jünglings, der mit östlicher Beute beladen ist“, wie die Unterschrift besagt. Sämtliche der 26 Bilder verherrlichten Karl V. und die zukünftigen Taten seines Sohnes. - Daß die Genueser Kaufleute insbesondere den Sieg über die Türken thematisierten, hat seinen historischen Grund: Mit der Einnahme Konstantinopels durch die Türken 1453 und folgende Eroberungen hatten sie wichtige Handelsniederlassungen am Schwarzen Meer und im östlichen Mittelmeer-Becken verloren. Der von Philipp erhoffte Sieg über die Türken hätte auch die mit Venedig konkurrierende Handelsstadt Genua wirtschaftlich gestärkt. - Stilistisch angeregt ist Floris von der zeitgenössischen italienischen Kunst. Tintoretto und Polidoro da Caravaggio sind als Vorbilder genannt worden. Vor allem aber haben Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle den Figurenstil bis ins Detail geprägt. Die kraftvollen, gelegentlich die Bildfläche dicht füllenden Körper sowie die expressive Gestik und Mimik der Figuren sind Kennzeichen auch seiner späteren Kunst. - Das ausgestellte Blatt wirkt flau und wenig kontrastreich. Auch ist es gegenüber anderen Drucken von der gleichen Platte seitenverkehrt. Es handelt sich bei ihm um einen seltenen Abklatsch, das heißt um einen Abzug nicht von der Platte, sondern von einem frischen, noch feuchten Druck, auf den dieser Papierbogen gelegt und das Bild somit „abgeklatscht“ wurde. Er gibt das in Platte geätzte Bild seitenrichtig wieder und erleichtert so eventuelle Korrekturen.

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