Der Triumph Hiobs
Art Collection of the University Göttingen

Der Triumph Hiobs

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Im Vordergrund des Stiches sitzt die ausgemergelte Gestalt des Hiob in gekrümmter Haltung auf einer Schildkröte. Sein Blick ist starr auf den Weg vor ihm gerichtet. Rechts hat er eine Fahnenstange geschultert. Mit der linken Hand führt er fünf mit Stricken gefesselte Personen hinter sich her. Den Hintergrund des Blattes bildet eine Personengruppe vor einer brennenden Häuserruine. - Das Buch Hiob ist Teil des Alten Testaments. Der unbekannte Verfasser erzählt die Geschichte des als fromm und rechtschaffen geltenden Hiob, der aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Satan auf die Probe gestellt und mit vielerlei Unglück geschlagen wird. Hiob sucht Erklärungen für sein unverschuldetes Leiden und stellt zuletzt Gott zur Rede. Dieser führt ihm seine Schöpfermacht vor Augen, belohnt den Leid geprüften Frommen aber für sein treues Ausharren, indem er ihm Reichtum und Anerkennung zurückgibt. - Maarten van Heemskerck hält sich bei der Darstellung weitgehend an die biblische Vorlage. Hiob führt alle diejenigen hinter sich, die seinen rechten Glauben in Frage gestellt hatten. Der Teufel, der behauptet hatte Hiob bleibe nur in Frieden und Wohlstand fromm, trägt noch seine Marterwerkzeuge, eine Rute und eine Kralle, in den Händen. Hiobs Frau, die ihn angespornt hatte Gott abzuschwören und seine drei Freunde, die Hiobs Leid als verdiente Strafe für eine heimliche Sünde ansahen, scheinen den Grund ihrer Gefangenschaft nicht zu begreifen. - Im Hintergrund sind die Leiden des Hiob dargestellt. Nackt sitzt der Unglückliche auf einem Heuhaufen umringt von seinen Freunden und seiner Frau. Auf dem Feld liegt das verendete Vieh seiner Herden. Das brennende Gebäude dahinter illustriert eine weitere Hiobsbotschaft. In dem Haus seines ältesten Sohnes kamen alle seine Kinder ums Leben. - Der Triumph des Hiob verkörpert dessen Sieg über die Zweifler seiner Gottestreue. Allerdings erscheint er hier nicht als Triumphator in schillernder Rüstung, sondern besonnen und in sich gekehrt. Sein Triumphwagen eine Schildkröte steht sinnbildlich für seine fromme Gesinnung und die Tugend der Geduld. Der angefügte Text vergleicht den harten Panzer einer Schildkröte mit Hiobs starkem Glauben an Gott, den trotz seiner großen Leiden niemand zerstören konnte. Hiobs Banner, befestigt an einem Kreuzstab , repräsentiert illustrativ seinen Charakter. Abgebildet ist eine in Balance hängende Waage, gehalten von einem geflügelten Herzen. Darunter schwebt ein flammendes Schwert über einem nach unten geneigten Reichsapfel. Die Waage steht hier figurativ für ein ausgeglichenes Gemüt, das Herz für die Hoffnung und das Schwert für das flammende Schwert mit dem Jesus Christus das Herz des Menschen von den weltlich Dingen trennt. Der Reichsapfel symbolisiert die Geringfügigkeit des Irdischen, die Hiob durch die göttliche Offenbarung erkannt hatte. - Das Blatt stammt aus dem achtteiligen Bilderzyklus Der Triumph der Geduld. Maarten van Heemskerck wählte für die Serie das Schema des allegorischen Triumphzuges, das auf dem antiken Triumphus basiert. Im klassischen Altertum wurden für den siegreichen Feldherren oder Kaiser Ehrenprozessionen veranstaltet, bei denen dem jubelnden Publikum Darstellungen des Sieges und ausgewählte Beutestücke vorgeführt wurden. Der Triumphator selbst fuhr in einem Triumphwagen, dem prominente Gefangene in Ketten folgten. Den Abschluß des Zuges bildete das Heer der Soldaten, die Lob- und Spottlieder sangen. - Im 14. Jahrhundert übernahm Francesco Petrarca das Thema des antiken Triumphzuges und verband es in seinen Trionfi mit mittelalterlicher und frühhumanistischer Allegorik. Der berühmte poetische Zyklus, inspiriert durch Petrarcas unerfüllter Liebe zu Laura, erzählt die Entwicklung der menschlichen Seele, die die Erfüllung der irdischen Liebe erst im Jenseits findet. Die Szenen fanden zunächst Eingang in italienische Kupferstich- und Buchholzschnittarbeiten, dann auch in die Druckgraphik südlich der Alpen. Der Triumphwagen, als Hauptbestandteil einer Ehrenprozession entwickelte sich in Literatur und Kunst zu einem selbständigen Motiv für Sieges- und Lobesdarstellungen.

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