
Unknown artist
Isoliert betrachtet ist die untersetzte und verzerrt erscheinende Figur mit Fackel, Weinglas, Trommel, Federhut und Degen schwer verständlich: Weder der karikaturhafte Darstellungsmodus noch der Inhalt der Darstellung erschließen sich durch bloße Werkbetrachtung. Erst Hinzuziehung der Beischriften und weitergehende Kontextualisierung lassen zu Intention und Funktion des Blattes vordringen. Allerdings gibt es ein technisches Hindernis: Die Verse unter dem Bild erscheinen in Spiegelschrift, es handelt sich demnach um einen Abklatsch, ein Blatt also, das nach dem Druckvorgang als Kontaktkopie des noch feuchten Drucks als dessen Spiegelbild entstand. Liest man die Unterschriften dennoch, so wird deutlich, dass der Dargestellte als Amicus Cereris et Bacchi, also Freund des Essens und Weintrinkens, betitelt ist. Die niederländischen Verse erklären, dass er sich über den Sieg Wilhelms von Oranien freut und diesen gründlich feiert. Gemeint ist - Wilhelm III. von Oranien (1650-1704), seit 1672 Statthalter der Niederlande und ab 1689 König von England. Auf den Thron gelangt Wilhelm durch seine Heirat mit Prinzessin Maria von England und die sogenannte Glorreiche Revolution von - 1688, in der Jacob II. wegen seiner Hinwendung zum Katholizismus abgesetzt wurde. Der fröhliche Zecher des Blattes freut sich wahrscheinlich über die Rückeroberung von Namur, ein Sieg über französische Truppen im Kontext des spanischen Erbfolgekriegs und Teil der Abwehr der Expansionspolitik Ludwigs XIV. - Der Entwerfer des Blattes Cornelius Dusart (1660-1704), ein Haarlemer Maler, Schüler des Adrian von Ostade und wie dieser Genre-Spezialist, fertigte ein weiteres, unserem zugehöriges Blatt, das einen betrunkenen Nachtwächter zeigt, und eine Serie von sechs Blättern, auf denen Vertreter verschiedener Berufsstände den Sieg feiern. Das Schabkunstblatt des betrunkenen Trommlers, dem der beruflich verbundene Nachtwächter entspricht, ist ein Thema, das in seiner karikaturhaften, übertriebenen Formulierung anscheinend Gefallen beim zeitgenössischen, niederländischen - Publikum fand, mit den sinngebenden Versen A. Bogaerts patriotische Befindlichkeiten ansprach und vermutlich als belustigend empfunden wurde. Auch dies zeigt - die Schwierigkeiten ein frühneuzeitliches Kunstwerk in seinen ursprünglichen Intentionen zu verstehen. Eine historische Kontextualisierung hinsichtlich der Entstehungsumstände und ursprünglichen Funktion ist unbedingt notwendig.
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