Johannes der Täufer im Wald
Art Collection of the University Göttingen

Johannes der Täufer im Wald

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Johannes der Täufer kniet unten im Bild auf einem Felsvorsprung. In der rechten Armbeuge hält er einen Kreuzstab aus Holz. Bekleidet ist er mit einem einfachen Umhang, der an der Taille mit einem Strick zusammengehalten wird. Vor ihm liegt ein schlafendes Lamm, das Hauptattribut des Täufers. Es charakterisiert ihn als Vorläufer Jesu. In dieser Funktion kündigt er das Passionsgeschehen und damit den Opfertod des Gottessohnes an. Auf dieses Geschehen verweist auch der Kreuzstab. Johannes nimmt in dieser Darstellung eine Gebetshaltung ein und wendet den Blick in einen mächtigen Wald, der hinter ihm aufragt. Die lateinische Bildunterschrift zitiert Mt. 3,1. Johannes predigt demnach in der judäischen Wüste. Den Platz der Wüste nimmt in diesem Fall der Wald ein. Er galt schon im 14. Jahrhundert als bedrohlich, als unzivilisierter „Lebensraum der Verbannten und Ausgestoßenen“ und ist somit ein treffendes Bild für die Wirkungsstätte des Täufers. - Johannes scheint hier allerdings nicht im Mittelpunkt zu stehen. Der Wald ist in seinen Ausmaßen das dominierende Element in der Komposition. Auch die Felsformationen in der linken Bildhälfte ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Durch diese sich weit erstreckende Landschaft zieht sich ein Fluß, der im Hintergrund von einer massiven Steinbrücke überspannt wird. Auf der Brücke sind ein Mann und ein Pferd zu erkennen. Eine Schafherde weidet dahinter auf einer Anhöhe. Diese genrehaften Gruppierungen erscheinen als bloße Staffage in der beeindruckenden Landschaft. Hier kommt die Freude an variationsreicher Ausgestaltung der Natur zum Ausdruck, wie sie schon bei Joachim Patinir (um 1485-1524) zu finden ist. Auch er zeigt im Vordergrund biblische Personen und akzentuiert sie mit nah stehenden Bäumen. - Die Landschaft und insbesondere der Wald als Hauptmotive erfreuten sich am Ende des 16. Jahrhunderts wachsender Beliebtheit. Besonders in den Kunstzentren Mecheln, Brüssel und Antwerpen traten zunehmend die historischen und biblischen Szenen zugunsten einer reinen Landschaftsdarstellung zurück. Maler wie Gillis van Coninxloo oder auch Jan Bruegel d. Ä. perfektionierten diese Form der Landschaftskunst. In diesem Stich könnte eine Übergangsform vorliegen, in der noch eine neutestamentliche Figur zu sehen ist, aber gleichzeitig das Hauptinteresse den imposanten Eichen und dem Ausblick auf den felsigen Flußlauf gilt. Die Reminiszenz an biblische Begebenheiten diente u.a. dazu, das Verkaufsrisiko für die Verleger zu minimieren, da durch die Ausstaffierung mit bekanntem Personal eine neue Art, Landschaft zu zeigen, legitimiert werden konnte. So wurde das Vertraute mit dem Neuen verbunden. - Auffällig ist auch die Kombination aus Ferne und Nähe. Während sich die Flußlandschaft sehr weit in die Bildebene hinein erstreckt, sind die Bäume nah an den Betrachter herangerückt, so daß eine gewisse Unmittelbarkeit entsteht, die den Wald noch beeindruckender erscheinen läßt. Dieser Effekt wird durch die sehr urwüchsige Gestaltung der einzelnen Bäume mit ihren knorrigen Stämmen und dem Flechtenbewuchs verstärkt. Dadurch gewinnen sie an Plastizität. - -

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