Der Drache verschlingt die Gefährten des Kadmos
Art Collection of the University Göttingen

Der Drache verschlingt die Gefährten des Kadmos

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Gezeigt ist eine blutrünstige Szene inmitten einer Landschaft. Im Vordergrund fällt ein geflügelter Drache mit vier Klauen, langem Schwanz und gebogenem plattenbewehrten Hals über seine Opfer her. Unter ihm sind zwei menschliche, verkreuzt übereinanderliegende, nackte Leiber zu sehen. Der zuunterst befindliche Mann hat den Oberkörper mit dem linken Arm hochgestützt und mit der rechten Hand den Hals des Drachen ergriffen, während vom zweiten nur der rückwärtige Unterleib zu sehen ist. Der Drache hat in diesen seine Krallen geschlagen, gleichzeitig zerfleischt er dem anderen Mann das Gesicht. Um die Kämpfenden liegen Knochen und abgerissene Köpfe verteilt. Rechts erschließt sich der Blick in eine bergige Landschaft, die links von einem Wald abgeschlossen wird. Auch dort kämpft ein einzelner Mann mit seiner Lanze gegen einen Drachen. - Die Darstellung beruht auf dem griechischen Mythos von Kadmos, dem Sohn des phönikischen Königs Agenor und Bruder von Europa. Agenor sandte ihn aus, um seine von Zeus entführte Schwester zu suchen. Ein vom Kriegsgott Ares abstammender Drache tötete seine Gefährten, woraufhin Kadmos ihn mit Steinwürfen zur Strecke brachte und seine Zähne aussäte. Daraus erwuchsen bewaffnete Männer, die in Kampf miteinander gerieten. Auf die fünf von ihnen, die überlebten, führten die thebanischen Adelsgeschlechter ihre Abstammung zurück. Zur Strafe für die Tötung des Drachen wurde Kadmos von Ares versklavt, durfte aber nach acht Jahren dessen Tochter Harmonia heiraten und wurde erst König von Theben und dann von Illyrien. Da Kadmos auf seiner Reise auf Befehl des Orakels von Delphi das spätere Theben gründete, gilt die Kadmossage auch als Gründungssage Thebens. - Als literarische Quelle sind u.a. die Metamorphosen des Ovid zu nennen. - Bei dem im Hintergrund kämpfenden Mann handelt es sich offensichtlich um Kadmos, der nach dem Tod seiner Gefährten gegen den Drachen antritt. - Die Verbildlichung dieses Themas ist in der bildenden Kunst nur selten vorgenommen worden. - Der Stich basiert auf einem Gemälde von Cornelis van Haarlem, welcher mit Goltzius und Karel van Mander bald nach deren Ankunft in Haarlem 1583 eine Art Akademie gründete. Aufgrund dieser Zusammenarbeit ist es nicht verwunderlich, daß Goltzius immer wieder Gemälde Cornelis van Haarlem reproduzierte oder nach seinen Entwürfen Stiche anfertigte, wie es auch im vorliegenden Blatt der Fall ist (Vgl. Abbildung). Die Widmung am rechten unteren Bildrand benennt Jacob Rauwaert, einen wichtigen Amsterdamer Kunsthändler, der Werke Haarlemer Künstler sammelte und diese unterstützte. Insbesondere war er Patron von Cornelis van Haarlem. Dieser Jacob Rauwaert gewidmete Stich ist als die erste gemeinsame Anstrengung von Cornelis van Haarlem und Hendrick Goltzius anzusehen. - Cornelis Vorliebe galt insbesondere der Aktdarstellung muskulöser Männer, die in extremen Posen gezeigt und häufig, wie auch in diesem Bild, in gewalttätige Aktionen verwickelt sind. Dieses Streben nach Bewältigung schwieriger Posen ist kennzeichnend für die manieristische Figurengestaltung. Die Kunst entwickelte sich im 16. Jahrhundert zunehmend hin zur bevorzugten Darstellung des menschlichen Körpers mit gleichzeitiger Vernachlässigung des eigentlichen biblischen oder mythologischen Bildinhalts. Ausgangspunkt dieses manieristischen Stils war Italien. Antike Skulpturen dienten vielfach als Vorlagen; die übersteigerte Modellierung sollte genaue anatomische Kenntnisse demonstrieren. Die zunehmende Mobilität der Künstler und vor allem die Druckgraphik begünstigten die schnelle internationale Verbreitung des neuen Stils. Die Stadt Haarlem und besonders Goltzius Druckbetrieb bildeten eines der niederländischen Zentren manieristischer Gestaltung. Karel van Mander brachte wohl seine Kenntnisse italienischer Kunst in die Akademie ein, während Cornelis auf sein in Paris angeeignetes Wissen manieristischer Kunst zurückgreifen konnte. Cornelis van Haarlem beschäftigte sich im Gegensatz zur älteren Malergeneration überwiegend mit mythologischen Themen, wie hier mit der Kadmossage, was als bewußte Suche nach neuen Themengebieten gedeutet wird.

🔒
Order museum-quality prints

Sign in to order prints, canvas, and more of this work. Browsing and full-resolution downloads stay free.