
Unknown artist
"Nach der Auferstehung Jesu kam Maria Magdalena als erste zu dem leeren Grab. Verwundert fragte sie einen Mann, den sie für den Gärtner hielt, wohin er den Leichnam getragen habe. Nun gibt sich Jesus zu erkennen. Maria Magdalena, das Salbgefäß in Händen, kniet nieder und will ihn berühren. Jesus wehrt mit den Worten „Noli me tangere“ ab: „Berühre mich nicht! Ich bin noch nicht zu meinem Vater aufgefahren“. Sie erhält den Auftrag, die Jünger von der Auferstehung zu unterrichten (Joh 20, 14-18). - Vorbild für Lucas van Leyden war Dürers Holzschnitt aus der Kleinen Passion (1509/11). Wie dort, so ist auch hier Jesus mit Hut und Spaten tatsächlich als Gärtner charakterisiert. Geändert ist im wesentlichen der Bildausschnitt. Statt hochformatig wie bei Dürer, legt Lukas van Leyden die Szene im Querformat an. Vor allem aber reduziert er die handelnden Personen auf Halbfiguren. Mit diesem Kunstgriff konzentriert er die Aufmerksamkeit auf Gesichter und Hände als die Träger des seelischen Ausdrucks. Mit gesenkten Augen ist Maria Magdalene demütig in sich zusammengesunken. In hoheitsvollem Ernst streckt Jesu die rechte Hand, der das Nagelmal fehlt, zum Segen aus und berührt ihre Stirn. Gezeigt ist also nicht der Moment des „Noli me tangere“, sondern ein Augenblick danach. - Zwei Felsen, die mit dem Umriß der Figuren korrespondieren, schließen die Szene zum Hintergrund ab. Dort nähern sich, rechts in der Ferne in synchroner Erzählung, die drei Marien dem Grabe (Mk 16, 1ff.)"
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