Papst Clemens VII in der Engelsburg 1527
Art Collection of the University Göttingen

Papst Clemens VII in der Engelsburg 1527

Unknown artist

CC0 — Public Domain
Art Collection of the University Göttingen

Zwei Landsknechte mit Hellebarde und Fahne deuten am rechten Bildrand auf die mittlere Szene, die sich vor einem Festungskomplex abspielt. Mehrere Geschütze stehen zwischen den Statuen der heiligen Petrus und Paulus vor dem Ponte Sant Angelo und sind auf die Burg gerichtet. Hinter ihnen befindet sich ein Reiter, dessen Blick auf die Loggia gerichtet ist. Von diesem Balkon, der sich über dem Zinnenkranz erhebt, schaut der Papst mit zwei Kardinälen herab. In dem Giebelfeld und unter dem Zinnenkranz sind Wappenschilde angebracht, in denen die päpstlichen Schlüssel und die Tiara mit dem Wappen der Medici verschmolzen sind. Dargestellt ist der „Sacco di Roma“ 1527. Papst Clemens VII. war in der Engelsburg festgesetzt worden und mußte sich den Bedingungen Kaiser Karls V. fügen. Der Festungskomplex der Engelsburg dominiert den Bildraum. Am linken Bildrand sind Teile des vatikanischen Palastes, Alt-St. Peter mit Campanile und die Vierungspfeiler des Bramante- Baues für die neue Peterskirche, zu erkennen. Vor dieser Kulisse hat sich ein Heer von Landsknechten der Engelsburg zugewandt. Der Kaiser führte seit 1521 Krieg gegen den französischen König Franz I. mit dem Papst Clemens VII. (Giulio de Medici) verbündet war. Nach der entscheidenen Schlacht bei Pavia wurde der König gefangen genommen. Im Frühjahr 1527 bekam das Söldnerheer Verstärkung aus dem Deutschen Reich und zog, ohne den Befehl des Kaisers abzuwarten, unter der Führung des Herzogs von Bourbon nach Rom. Die Stadt wurde eingenommen und einige Tage lang geplündert. Der in die Engelsburg geflüchtete Papst mußte, von den Landsknechten bedroht, dem Treiben tatenlos zusehen. Der „Sacco di Roma“ bereitete der Renaissancestadt ein Ende. Zeitgenossen betrachteten das Geschehen als Strafgericht Gottes. Bei diesem Blatt handelt es sich um das Vierte einer 12-teiligen Serie nach Maarten van Heemskerck, welche die Siege Kaiser Karl V. Verherrlicht. Van Heemskerck hielt sich von 1532 -1536 in Rom auf und studierte dort die antiken und zeitgenössischen Kunstdenkmäler. Zwei Skizzenbücher haben sich von seiner Reise erhalten, in denen er unter anderem Stadtansichten Roms gezeichnet hat. Die Vorzeichnung zu diesem Blatt befindet sich in der Kunsthalle Hamburg und stimmt mit dem Stich weitgehend überein. Die Raumerstreckung des Bildes gliedert sich in verschiedene Ebenen, welche sich an den Größenverhältnissen der Figuren leicht ablesen lassen. Durch die gestaffelte Bildkomposition wird eine bühnenbildartige Raumwirkung erzielt. Charakteristisch für den manieristischen Stil Heemskercks sind zum einen die verschiedenen gezierten Bewegungs- und Standmotive, wie auch die zum Teil spärlich bekleideten, muskulösen Figuren.

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