
Unknown artist
Auch von Georg V. besitzt die Universität Göttingen mehrere Schabkunstblätter. Allerdings steht hier der König von Hannover im Vordergrund einer Innenrauminszenierung. Der blinde Herrscher hat seinen Kopf nach rechts gerichtet und ist in die weiße Militäruniform der Garde du Corps gekleidet. Unter dem rechten Arm hält er seinen Helm, dessen Spitze mit einer Tülle aus weißem Rosshaar geschmückt ist. Kaum merklich stützt er sich mit der linken Hand auf seinen Säbel. Im Hintergrund des Herrschers erkennt man links einen Thron auf dem ein Hermelinmantel drapiert ist. Dahinter befindet sich ein Vorhang, der rechts leicht hochgezogen ist und den Blick ins Freie öffnet. In der Ferne sind die Marktkirche und die Waterloosäule von Hannover zu erkennen. Links wird der Rest der Stadt vom Sockel einer Säule verdeckt. Auffällig sind die Parallelismen zwischen Säulensockel, Vorhang sowie rechtem Oberarm und Schulter des Monarchen. - Das Herrscherporträt wurde von Max Schwindt gestochen. Die gemalte Vorlage stammt ebenfalls von Carl W. F. Oesterley Die Blätter kamen durch die Schenkung von Frau Nolte in den Besitz der Kunstsammlung der Universität Göttingen. Ob alle 24 Exemplare im Besitz der Universität Teil dieser Schenkung waren, ist auch hier ungewiss. Der Verbleib des Vorlagen-Gemäldes konnte nicht geklärt werden. Ebenso sind genaue Lebensdaten von Schwindt unbekannt. Die Kunstsammlung der Veste Coburg gibt an, dass der Stecher um ca. 1854 tätig war. Durch die 1867 datierte kolorierte Radierung Schwindts kann ein Tätigkeitszeitraum zwischen 1854 und 1867 genannt werden. Das nicht datierte Schabkunstblatt wird vom Auktionshaus Neumann auf „um 1860/70“ geschätzt. Georg V. wurde 1851 König von Hannover. Ab 1866 musste er im Exil am Hofe Franz Josephs I. leben, da er ein Verbündeter Österreichs war und das Kaiserreich sowie das Königreich Hannover im Krieg gegen Preußen unterlag. Die vorliegenden Exemplare wurden in Berlin (Preußen) gedruckt, d.h. das Porträt muss zwischen 1851 und 1866 gestochen worden sein. Im Gegensatz zum Porträt Ernst Augusts, lehnt sich die Gestaltung hier eher an Herrscherporträts Franz Joseph I. an. Merkmale sind die Interieur-Darstellung mit Säule, Thron, Vorhang sowie im Hintergrund eine Außenszenerie. Es gibt ähnliche Motive in dem von L. Blanc gemalten Porträt von Ernst August, hier jedoch ohne Blick ins Freie.
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