
Unknown artist
Schwarz-Weiß-Fotografie einer Druckgrafik in einem reich verzierten Rahmen, die Katharina II. vom Kopf bis etwa zum Bauch zeigt. Katharina II. trägt eine verzierte Jacke, ein Jabot und eine Mütze mit einer Quaste auf dem Kopf. Sie wurde halb seitlich porträtiert und blickt die Betrachtenden direkt an. Der Hintergrund ist neutral dunkel. Kontext: Mit dem Porträt von Katharina II. (1729–1796) wollte der Sexualwissenschaftler und Sexualreformer Magnus Hirschfeld vermutlich auf eine historische Persönlichkeit verweisen, die sich aufgrund ihrer als „männlich“ gelesenen Anteile als sog. „Zwischenstufe“ verorten ließ. Sehr verkürzt gesagt, beschreibt das Konzept der von Hirschfeld entwickelten „Zwischenstufen“ die Tatsache, dass jedes Individuum sowohl „männlich“ als auch „weiblich“ ausgeprägte Eigenschaften vereint, die einen oder mehrere der vier Bereiche betreffen können: 1. die Geschlechtsorgane, 2. sonstige körperliche Eigenschaften, 3. den Geschlechtstrieb und/oder 4. sonstige seelische Eigenschaften. Mit dieser Theorie öffnete Hirschfeld bereits 1907 das gängige Konzept des biologisch-genitalen Geschlechts für Aspekte, die u.a. auf der erlebten Identität der Individuen beruhten. Damit ebnete die „Zwischenstufentheorie”, die „während der Institutszeit die wissenschaftliche Leitidee für die meisten Mitarbeiter“ blieb, den Weg für das Verständnis von sexueller Vielfalt und Variabilität. (vgl. Herrn, Rainer (2022): Der Liebe und dem Leid, Suhrkamp, S. 31). Einher gingen damit auch eine Entpathologisierung und Entkriminalisierung des vermeintlich Abweichenden, von Menschen also, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm standen.
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