Unknown artist
1510 entwarf Dürer den Holzschnitt "Christus in der Vorhölle", der 1511 als Teil der "Großen Passion" erschien. Das Bildmotiv ist nicht dem Neuen Testament entlehnt, sondern basiert auf dem apokryphen Nicodemus-Evangelium (vgl. Schoch II.208.164). Nach dem Kreuztod begibt sich Christus in die Vorhölle, um die Seelen der Gerechten zu befreien. Dürer zeigt ihn im Vordergrund kniend, das Haupt ist durch einen Strahlennimbus mit gleißendem Licht umgeben, wie er das Handgelenk eines hilfessuchend neben Johannes dem Täufer Stehenden ergreift. Aus dem Höllenschlund blicken ungeheuerliche Wesen. Mit aufgerissenem Maul sticht eines in Richtung Christi, der unbeeindruckt fortfährt. Im Hintergrund des undurchsichtigen Vorraumes stehen die bereits Befreiten, darunter Adam mit dem Apfel vom Baum der Erkenntnis in der einen und dem Kreuz als Instrument der Erlösung in der anderen Hand. Die Siegesfahne ragt über Christus empor.
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