Unknown artist
Der Künstler kopierte Dürers um 1503 entworfenen Holzschnitt "Mariens Tempelgang", eine Szene aus dem 1511 vollendeten und verlegten "Marienleben" des Nürnberger Meisters, verkleinert und von der Gegenseite. Dass er für seine Folge fast die identische Motivauswahl wie Raimondi kopierte (vgl. Nagler Monogrammisten IV.507.1646), legt eine Verbindung nahe. Obwohl er das Motiv, zusätzlich zur Veränderung von Format und Ausrichtung, in die Technik des Kupferstichs übersetzte und um eine lateinische Bezeichnung ergänzte, ist die Orientierung an der motivischen Vorlage deutlich zu erkennen. Joachim und Anna brachten getreu ihres Gelübdes ihre Tochter zum Tempel. Ohne sich auch nur ein einziges Mal umzuwenden, läuft das Kind die Treppe zum Hohepriester hinauf, bei dem sie in den folgenden Jahren ihre religiöse Erziehung bekommen sollte. Auch der Kopist zeigt die apokryphe Erzählung als vielfigurige Szene. Während ihre Eltern in einer Menschengruppe am Fuß der Treppe stehen, erklimmt Maria bereits die ersten Stufen. Zwar betont die zentrale Position im Blatt die Bedeutung des Mädchens, doch ist es im verlorenen Profil dargestellt. Die Marktsituation im Vordergrund holt alltägliche Geschehnisse ins Bild. Insgesamt werden die Handlung selbst, die jeweiligen Einzelschauplätze und ihre Protagonisten durch den Aufbau des antikisierenden Gebäudes strukturiert, dessen Zierelemente auf die heidnisch-vorchristliche Zeit verweisen. Weder ist ein Hinweis auf Dürer als den geistigen Schöpfer der Bildidee noch auf den eigentlichen Künstler oder die Entstehungszeit in die Darstellung integriert.
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