Die Testamentseröffnung
Austrian Gallery Belvedere

Die Testamentseröffnung

Josef Danhauser · 1839

CC0 — Public Domain
Austrian Gallery Belvedere

Danhauser liebte es, in seinen Gemälden Geschichten zu erzählen. So entnahm er seine Bildideen oft den Texten der Heiligen Schrift oder der Weltliteratur, schilderte sie jedoch als Ereignis der Wiener Gesellschaft. Sein Anliegen war es, das Verhalten seiner Zeitgenossen zu demaskieren, um dadurch moralisierend auf sie zu wirken. Eine mögliche Quelle für die "Testamentseröffnung" ist Sir Walter Scotts Roman "Guy Mannering oder der Sterndeuter", wo die Verlesung eines Testaments unter den Anwesenden einen ähnlichen Tumult auslöste. Die Enttäuschung der vom Erblasser benachteiligten Gruppe – links im Bild – prallt auf die ins Wanken geratene Universalerbin rechts. Der Verstorbene, der diese Reaktionen geahnt und herausgefordert hat, blickt triumphierend vom Porträt an der Wand. Mimik und Gestik sind einer straff geführten Regie unterlegt. Um die Brisanz der Situation zu steigern, ist die Handlung in einem bühnenartigen Bildraum angesiedelt – der Bezug zum Theater sollte den Gehalt der Darstellung dramatisieren und dadurch leichter verständlich machen. — [Sabine Grabner 8/2009] — Literatur: Grabner, Sabine: Der Maler Josef Danhauser – Biedermeierzeit im Bild. Monografie und Werkverzeichnis, Wien, Köln, Weimar 2011 (Belvedere Werkverzeichnisse, 1), S. 73–77, 256, WV-Nr. 245

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